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Anthropologie: Kamen die ersten Amerikaner aus Frankreich oder Japan?

Die ersten Menschen, die amerikanischen Boden betraten, könnten Europäer gewesen sein, vermutet Dennis Stanford von der Smithsonian Institution. Der amerikanische Archäologe widerspricht damit der gängigen Theorie, nach der die ersten Einwanderer vor 17 000 bis 13 000 Jahren aus Sibirien über die damals trocken gefallene Beringstraße die Neue Welt erreicht haben.

Stanford stützt seine These auf die Analyse von Speerspitzen der Clovis-Kultur, die vor etwa 11 000 Jahren in Nordamerika existierte und von den Nachfahren der sibirischen Einwanderer geschaffen worden sein soll. Nach Ansicht des Forschers unterscheiden sich jedoch die Speerspitzen deutlich von denen aus Sibirien. Sie ähneln vielmehr den Werkzeugen aus dem Solutréen, einer altsteinzeitlichen Kulturstufe, die in Europa – insbesondere im heutigen Frankreich und Spanien – vor 20 000 bis 15 000 Jahren existierte.

Der Archäologe geht davon aus, dass die frühen Einwanderer über Boote auf der Jagd nach Meerestieren – wie Robben oder Tunfischen – den Atlantik überquert haben könnten. So würden heute noch die Inuit in Grönland große, als Umiak bezeichnete Familienboote benutzen, die Platz für ein Dutzend Erwachsene, mehrere Kinder, Proviant und Ausrüstung bieten.

In einem ganz anderen Erdteil sieht Jon Erlandson von der Universität von Oregon die amerikanischen Vorfahren. Er vermutet, dass sie von den japanischen Ryukyu-Inseln stammen könnten, wo vor 35 000 bis 15 000 Jahren ein Seefahrervolk lebte. Hilfreich bei der Wanderung entlang der Pazifikküste seien ausgedehnte Kelp-Wälder gewesen. Das Ökosystem dieser Großalgen hätte den Migranten eine reichhaltige Nahrungsquelle geliefert und damit als "Kelp-Autobahn" den Weg nach Osten geebnet.
21.02.2006

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 21.02.2006

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