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Karst: Kanadas größte Höhle - per Zufall entdeckt

Eigentlich wollten die Forscher Karibus aus der Luft zählen. Doch während ihres Fluges erblickten sie einen riesigen Schlund in Kanadas Westen - den keiner kannte.
Helmcken Falls im Wells Gray Provincial Park

Der Wells Gray Provincial Park in British Columbia ist vor allem bekannt für seine Wasserfälle, doch bald könnte das Schutzgebiet um eine weitere Attraktion reicher sein: Während einer routinemäßigen Karibuzählung aus der Luft entdeckten Mitarbeiter des Ministry of Environment and Climate Change einen bis dahin unbekannten großen Schlund in den Untergrund – der sich als eine der größten Höhlen Kanadas herausstellen könnte. Der Eingang ist etwa 100 Meter lang, 60 Meter breit und man könne mindestens 183 Meter in die Tiefe blicken, so der Archäologe John Pollack, der als einer der ersten die Höhle untersuchen durfte, gegenüber »Canadian Geographic«.

Der Arbeitstitel für diesen Eingang zur Unterwelt lautet bislang »Sarlaac Pit« in Anlehnung an das unterirdisch lebende Monster aus dem Sciencefiction-Film »Rückkehr der Jedi-Ritter«. Die Behörden sprechen allerdings noch mit Vertretern der regionalen indigenen Bevölkerung, ob dies die Höhle eventuell doch kennen und ob es einen entsprechenden indigenen Namen dafür gibt. Die exakten Dimensionen sind ebenfalls noch unbekannt, da Wasser in die Höhle fließt, das womöglich einen unterirdischen Fluss speist, der 2,1 Kilometer und 500 Meter tiefer wieder ans Tageslicht kommt. Die Erforschung sei sehr anspruchsvoll, weshalb sie nicht vor 2020 beginnen werde, so Pollack. Entsprechend habe wohl noch nie jemand das Innere der Höhle betreten – oder kehrte davon lebend zurück. Ein erster Abstiegsversuch durch Pollack und sein Team endete etwa 80 Meter unterhalb der Oberfläche: Der Wasserfall war hier zu stark, um weiter zu klettern.

© Catherine Hickson
Luftaufnahmen des Sarlaac Pit

Das Wasser stammt aus einem etwa 10 Quadratkilometer großen Einzugsgebiet des Gebirgstals und wird von Regen sowie schmelzendem Schnee und Eis gespeist. Um das Gebiet zu erreichen, muss man fliegen – oder Schwerstarbeit leisten, da die Region sehr abgelegen ist und von Gletschern und steilen Hängen umgeben ist. Selbst erfahrene Höhlenforscher könnten nur mit einer gut ausgerüsteten Expedition die Höhle erreichen, weshalb sich Pollack auch keine Sorgen macht, dass jemand unerlaubt versucht einzudringen. Ohnehin sei eine Begehung wohl nur im September möglich, wenn die Schmelzwasserzufuhr am geringsten ist. Die Erosion durch das Wasser hat die Höhle auch erschaffen, in dem sie das Kalkgestein der Region gelöst hat.

Warum die Höhle bislang unentdeckt blieb, obwohl das Tal immer wieder überflogen wurde, können sich die Wissenschaftler noch nicht ganz erklären. Womöglich lag bei früheren Sondierungen noch zu viel Schnee, der die Höhle quasi »tarnte« oder der Eingang wurde durch Lawinen zugeschüttet. Spätere Erkundungsflüge im Jahr fanden offensichtlich nicht statt.

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