Karibik: Warum zog Hurrikan »Melissa« eine blaue Schleppe hinter sich her?

Ende Oktober 2025 verursachte der Wirbelsturm »Melissa« eine Schneise der Zerstörung auf der Karibikinsel Jamaika. Doch auch im Meer hinterließ der Hurrikan seine Spuren, wie eine Analyse von Satellitenbildern durch die NASA zeigt: Er hinterließ große, hellblaue Schlieren im Wasser, die Experten in diesem Ausmaß als Jahrhundertereignis betrachten.
Auf seinem Weg nach Norden überquerte »Melissa« die sogenannte Pedro Bank: ein Kalkplateau in der Karibik in etwa 25 Metern Tiefe, das mit stark kalkhaltigen Sedimenten bedeckt ist. Sie stammen größtenteils aus den Überresten von Tieren mit Kalkschalen, die sich auf der Pedro Bank angesiedelt haben. Normalerweise liegen diese teils feinen, schlammartigen Ablagerungen, teils großformatigen Überreste größerer Organismen relativ unbeeinflusst von Wind, Wetter und Wellen auf dem Plateau. Starke Stürme wie »Melissa« wühlen das Wasser jedoch teils Dutzende Meter tief auf und mobilisieren damit das Material.
Dieses verteilte sich dann im Gefolge des Wirbelsturms über eine große Fläche und beeinflusste die Lichtbrechung: Das Wasser wirkte daher nicht mehr dunkelblau, sondern milchig hellblau. Insgesamt war eine Fläche von rund 37 500 Quadratkilometern betroffen, auf der Sedimente aufgewirbelt oder später wieder abgelagert wurden – das bislang größte, bekannte Ereignis dieser Art in der Karibik, seit Satelliten die Region überwachen.
Etwa sieben Tage nach dem Ereignis lösten sich die Sedimentwolken im Wasser nach und nach auf, als sich Schlamm und andere Bestandteile wieder auf dem Meeresboden absetzten. Wie sich dies auf die Lebensgemeinschaften im Meer auswirkt, muss nun erforscht werden: Auf der Pedro Bank war das Ereignis sicher eine starke Störung für das vorhandene Ökosystem mit schweren Schäden.
An der Meeresoberfläche hingegen sorgte diese Katastrophe dafür, dass sonst mit bloßem Auge unsichtbare Wirbel und Strömungen plötzlich erkennbar waren. Manche Bereiche der Sedimentwolke wurden vom Karibikstrom aufgenommen und über größere Strecken transportiert, während an ihrer Südflanke kleinere Riffe wohl dafür sorgten, dass dieser Bereich bald dreigeteilt wurde.
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