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Invasive Arten: Katzen haben ganz Australien erobert

Katzen zählen nicht unbedingt zu den beliebtesten Tieren in Australien - zumindest nicht, wenn sie verwildert sind. Eine Studie zeigt, wie verbreitet sie mittlerweile sind.
Eine verwilderte Katze ist im Outback gestorbenLaden...

Verwilderte Hauskatzen haben inzwischen 99,8 Prozent der australischen Landesfläche besiedelt – und decken damit ein größeres Gebiet als der nationale Internetzugang ab. Dieser sei nur auf 85 Prozent der Fläche erreichbar, wie der "Sydney Mornig Herald" schreibt. Nur wenige Inseln sowie 16 umzäunte Naturschutzgebiete, die von den Katzen zuvor befreit worden waren, werden laut der Studie von Sarah Legge von der University of Queensland und ihren Kollegen nicht von den ehemaligen Haustieren besiedelt. Die 40 beteiligten Wissenschaftler hatten unter anderem 100 einzelne Studien zu den Tieren ausgewertet und die Daten analysiert. Die Katzenpopulation des fünften Kontinents schwankt demnach zwischen 2,1 und 6,3 Millionen Individuen, je nachdem ob Dürre herrscht oder gute Niederschläge die Beutesituation verbessern. Immerhin liegen diese Zahlen deutlich niedriger als vorherige Schätzungen, die von rund 20 Millionen verwilderten Hauskatzen in Australien ausgegangen waren.

Dies habe die Forscher zwar überrascht, so Legge. Doch zeige das umso deutlicher, dass schon eine kleinere Anzahl an Katzen ausreiche, um die heimische Fauna schwer zu schädigen. Die Tiere gelten als hauptverantwortlich dafür, dass mehr als 20 endemische Beuteltier- und Reptilienarten des Kontinents während der letzten Jahrzehnte verschwunden sind. Besonders bedroht sind alle Säugetiere, Reptilien und Vögel bis zu einem Gewicht von drei Kilogramm, da diese von den Katzen erlegt werden können. Auf Inseln siedeln die Katzen in einer höheren Dichte als auf dem Festland, weswegen einheimische Arten gerade dort einem extremen Jagddruck ausgesetzt sind. Auf dem Festland leben wiederum inner- und außerhalb von Schutzgebieten ähnlich viele Katzen pro Quadratkilometer, weswegen es nicht allein ausreiche, ein Reservat nur auszuweisen, ohne dort die Bekämpfung zu intensivieren, so die Wissenschaftler.

Seit Langem versuchen die australischen Behörden die Zahl der verwilderten Hauskatzen einzudämmen, was natürlich nicht nur auf Gegenliebe stößt. Gegenwärtig plant die Regierung, bis 2020 etwa zwei Millionen der eingeschleppten Beutegreifer unter anderem mit Fallen und Giftködern zu eliminieren. Derzeit werden zudem automatische Selbstschussanlagen konstruiert, die sehr spezifisch Katzen erlegen sollen. Diskutiert werden aber auch natürliche Gegenmaßnahmen: Dingos halten in Regionen, in denen sie noch vorkommen, die Katzen in Schach und schützen so indirekt kleinere Säugetiere. Allerdings sind die australischen Wildhunde bei Viehzüchtern unbeliebt, da sie auch Schafe reißen können. Katzen wurden im 18. Jahrhundert von europäischen Siedlern ins Land gebracht und sollten ursprünglich die Ernten vor Mäusen schützen. Seitdem haben sie sich landesweit verbreitet, da sie – außer den Dingos – praktisch keine natürlichen Feinde haben. Die einheimische Fauna kommt mit diesen Jägern hingegen kaum zurecht, weil Australien der einzige Kontinent (außer der Antarktis) ist, auf dem sich keine wilden Raubkatzen entwickelt haben.

02/2017

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 02/2017

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