Direkt zum Inhalt
Invasive Arten

Katzen rotten Säuger aus

Ein Experiment zeigt, wie schnell verwilderte Hauskatzen einheimische Arten dezimieren. Sie selbst müssen nur einen Feind fürchten - bislang.
Fataler Krankheitsüberträger?

Mindestens 75 Millionen einheimische Wildtiere sterben jedes Jahr in Australien, weil sie von verwilderten Hauskatzen getötet werden. Dabei kann die eingeschleppte Plage sogar in von ihr dünn besiedelten Regionen einen dramatischen Rückgang bei Nage- und Beuteltierarten verursachen, wie eine experimentelle Studie von Anke Frank von der University of Tasmania in Hobart und ihren Kollegen belegt. Die Biologen hatten zwei je 12,5 Hektar große Savannenareale im tropischen Norden Australiens eingezäunt und in zwei Hälften unterteilt, von denen eine katzenfrei gehalten wurde, während die Tiere in der anderen auf die Jagd gingen. In allen vier Bereichen setzten sie zudem je 20 Langhaarratten (Rattus villosissimus) aus, deren Schicksal in den folgenden Monaten überwacht wurde. Während sie in den katzenfreien Areal gut überlebten und sich vermehrten, verschwanden sie in den beiden anderen Flächen innerhalb von drei beziehungsweise 16 Monaten – erlegt von den Katzen.

Die deutlichen zeitlichen Unterschiede erklärten sich durch das Vorhandensein von Dingos in einem Areal: Die Wildhunde machen ihrerseits Jagd auf die Katzen und halten sie einigermaßen im Zaum – allerdings nicht ausreichend, um kleinere Säugetierarten vor dem lokalen Verschwinden zu bewahren. Um Australiens einzigartige Tierwelt zu schützen, empfehlen die Biologen daher drastische Maßnahmen: So sollten Dingos als natürliche Feinde von Katzen – wie auch von Füchsen, einer weiteren problematischen Art aus Europa, – geschützt und wichtige Naturschutzgebiete katzensicher eingezäunt werden. Zudem empfehlen die Forscher die Bekämpfung der Katzen durch spezifische Krankheiten und Bejagung sowie die serienmäßige Sterilisierung von Haustieren, um den kontinuierlichen Nachschub verwilderter Exemplare einzudämmen. Andernfalls drohe eine weitere große Aussterbewelle australischer Arten, so die Forscher.

44. KW 2014

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 44. KW 2014

Lesermeinung

1 Beitrag anzeigen

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Leserzuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Leserzuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmer sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Vielen Dank!

SciViews