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Holzwirtschaft: Kaum nachhaltige Waldnutzung in den Tropen

Auch wenn die Fläche geschützter oder allenfalls selektiv und nachhaltig genutzter Regenwälder in den Tropen in den letzten Jahren zunahm, bestehen diese Vorgaben vielfach nur auf dem Papier. Auf etwa 95 Prozent der gegenwärtigen Tropenwaldfläche findet außerdem eine meist unkontrollierte Entnahme von Holz statt oder die Areale werden für landwirtschaftliche Zwecke umgewidmet, da entsprechende Gegenmaßnahmen noch nicht durchgeführt werden.

Zu diesem eher ernüchternden Ergebnis kommt eine neue Studie der Internationalen Tropenholz-Organisation (ITTO), die 1986 von Tropenholz im- und exportierenden Ländern gegründet wurde. Der Verband ließ Nutzung und Schutz von Regenwäldern in 33 Staaten Afrikas, Asiens, des pazifischen Raums und Südamerikas untersuchen, in denen sich etwa neunzig Prozent der verbliebenen Tropenwälder der Erde befinden.

Als sich die ITTO 1988 erstmals einen Überblick über die Nutzung der Wälder verschaffte, verfügten weniger als eine Million Hektar Tropenwald über einen nachhaltigen Nutzungsplan, während dies heute für immerhin rund 35 Millionen Hektar gilt. In der Realität werden diese Vorgaben jedoch eher selten eingehalten, wie die Ergebnisse aus den Regionen zeigen: In Afrika gibt es eine tatsächlich nachhaltige Bewirtschaftung nur auf 43 Prozent der derart ausgewiesenen Flächen, in Asien auf 25 und in Südamerika sowie der Karibik auf 20 Prozent.

Von den insgesamt mehr als 810 Millionen Hektar in Augenschein genommenen Waldareale sollen außerdem über die Hälfte als geschützt eingestuft werden, doch werden entsprechende Konzepte nur auf einem Fünfzigstel des Gebiets auch tatsächlich umgesetzt. Das öffnet illegalem Holzeinschlag sowie der Umwandlung von Primärwald in Ackerland oder Holzplantagen Tür und Tor. Nach Angaben der ITTO werden allein für Landwirtschaft oder Infrastrukturmaßnahmen jährlich zwölf Millionen Hektar Regenwald gerodet, und weitere große Flächen werden durch nicht erlaubte Holzentnahme geschädigt.

Die größten Fortschritte beim Schutz ihrer Wälder haben laut ITTO Malaysia, Bolivien, Peru, Gabun und Ghana gemacht, während Staaten wie die Philippinen oder Nigeria mittlerweile fast ihre gesamten Urwälder verloren haben.
27.05.2006

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 27.05.2006

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