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Hirnforschung: Kein spezifisches Gottes-Areal im Gehirn

Einer kanadischen Studie zufolge haben Nonnen, die mindestens einmal eine spirituelle Erfahrung gemacht haben, kein spezifisches Hirnareal, das bei einer Rekapitulation dieser Erfahrung besonders aktiv wäre.

Die Psychologen Mario Beauregard und Vincent Paquette hatten für ihre Untersuchung fünfzehn Nonnen eines Karmeliten-Klosters im Alter von 23 bis 64 Jahren gebeten, eine ihrer bisherigen spirituellen Erfahrungen ins Gedächtnis zu rufen. Währenddessen wurde ihre Hirnaktivität mit funktioneller Kernspinresonanztomografie aufgezeichnet. Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass insgesamt zwölf Bereiche des Gehirns besonders aktiv waren, die beispielsweise im Zusammenhang mit Emotionen, Selbst- und Körperwahrnehmung stehen.

Die Studie widerspricht damit zahlreichen Untersuchungen, die insbesondere in den USA in den neunziger Jahren sehr beliebt waren und häufig postulierten, im menschlichen Gehirn gebe es einen bestimmten Bereich, der als eine Kommunikationszentrale mit Gott fungiere.

Mögliche Kritiker könnten einwenden, dass die Aufzeichnung einer aktuellen spirituellen Erfahrung aufschlussreichere Daten ermitteln würde. Dem stellt der kanadische Wissenschaftler aber Studien entgegen, die nahe legen, dass nachvollzogene Emotionen dieselben Hirnregionen ansprechen wie aktuell erlebte. Zudem, so Beauregard, könne er die Nonnen nicht dazu bringen, auf Knopfdruck einen Kontakt mit Gott herzustellen.
30.08.2006

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 30.08.2006

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