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News: Keine erhöhte Thrombosegefahr durch 'moderne' Pille

Für viele Frauen ist es tägliche Routine: Der Griff zum Blisterstreifen mit der 'Pille' als Verhütungsmittel. 1995 jedoch gerieten die Präparate der so genannten 'dritten' Generation in Verruf, weil sie einer Studie zufolge ein doppelt so hohes Thromboserisiko verursachen sollten als frühere Präparate. Doch die Benutzerinnen können jetzt offensichtlich aufatmen: Eine umfassende Untersuchung konnte diese Befürchtung nicht bestätigen.
Ein schöneres "Geburtstagsgeschenk" hätten die britischen Wissenschaftler um R. Farmer von der University of Surrey den modernen oralen Kontrazeptiva wohl kaum machen können. Immerhin wurde am 18. August 1960 in den USA mit Enovid die erste so genannte "Pille" zugelassen. Die Biochemiker Gregory Pincus und Carl Djerassi hatten die ersten dabei verwendeten Hormone synthetisieren können. 1961 folgte dann mit Anovlar von Schering die erste "Pille" in Europa.

Doch 1995 wurden die Benutzerinnen der neuesten oralen Kontrazeptiva stark verunsichert. Im Oktober gab das britische Committee on Safety of Medicines bekannt, dass Kombinationspräparate mit Gestoden oder Desogestrel als Inhaltsstoffe das doppelte Thromboserisiko als "Pille"-Präparate der zweiten Generation verursachen würden. Man berief sich auf damals noch nicht veröffentlichte Untersuchungen.

In Deutschland wurde daraufhin die Verwendung bei Frauen unter 30 beschränkt. Doch nun kommt aus Großbritannien die Entwarnung: Farmer und seine Kollegen haben alle Fälle von Thrombosen bei Patientinnen aus 304 Arztpraxen in ganz Großbritannien im Zeitraum von Januar 1993 bis Oktober 1995 analysiert und mit der Häufigkeit solcher Komplikationen im Zeitraum vom November 1995 bis Dezember 1998 verglichen. Der Anteil der 'Pillen der dritten Generation' an der Gesamtverwendung oraler Kontrazeptiva war von 53 Prozent im ersten Zeitraum auf 14 Prozent im zweiten gefallen. Das sollte sich nach Ansicht der Forscher auch in der Häufigkeit von Thromboserkrankungen widerspiegeln, wenn die oralen Antikontrazeptiva mit Gestoden oder Desogestrel tatsächlich zu einer Verdoppelung des Thromboserisikos führen (British Medical Journal vom 19. August 2000).

Das aber war offensichtlich nicht der Fall – die Forscher fanden keine Veränderungen. Der Wechsel im Gebrauch der "Pille" hatte also keinen Effekt auf die Häufigkeit von Embolien durch Blutgerinnsel. Daraus leiten sie ab, dass "Pille"-Präparate der dritten Generation keine Verdoppelung des Thromboserisikos mit sich bringen.

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