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Sozialsysteme: Keine soziale Hängematte: Guter Sozialstaat motiviert zur Arbeit

Wer viel Unterstützung vom Staat bekommt, gewöhnt sich an Arbeitslosigkeit, heißt es. Forscher widersprechen nun.
Arbeit am Computer

Arbeitslose, die mehr Hilfen vom Staat bekommen, sind nicht weniger motiviert, sich eine neue Arbeit zu suchen – im Gegenteil. Wie die norwegischen Sozialforscher Kjetil van der Wel und Knut Halvorsen herausfanden, bekannten sich um so mehr Befragte zum Wunsch nach Arbeit, je besser die Sozialsysteme eines Landes ausgestattet sind. Nach Angaben der beiden Wissenschaftler fanden sie kein Indiz für die vermeintliche soziale Hängematte – die Annahme, dass der Sozialstaat den Anreiz senkt, sich einen Arbeitsplatz zu suchen.

Van der Wel und Halvorsen werteten etwa 19 000 Interviews des European Social Survey im Jahr 2010 aus – dabei untersuchten sie die länderabhängige Zustimmung zu dem Satz: "Ich würde mich freuen, einen Arbeitsplatz zu haben, auch wenn ich das Geld nicht bräuchte." Das bejahten in Norwegen, dem Land mit der höchsten Sozialhilfe, etwa 80 Prozent, in Estland, wo am wenigsten gezahlt wird, dagegen nur 40. In Deutschland bejahten 70 Prozent den Satz, ein recht hoher Wert im Vergleich zu Staaten mit vergleichbarem Sozialhilfeniveau. Der Effekt könnte auch darauf zurückgehen, dass Staaten mit besserem Sozialsystem generell eine höhere Arbeitsmoral haben – der in der Studie identifizierte Zusammenhang findet sich nach Angaben der Forscher jedoch auch in sozialen Gruppen, die weniger eng an den Arbeitsmarkt gebunden sind.

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