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Artensterben: Keine Spur von Flussdelfinen im Jangtse

Suche nach Baijis
Nach vier von sechs Wochen gründlicher Suche haben Forscher noch keine Hinweise auf lebende Flussdelfine im Jangtsekiang. Sollten sie bis zum Ende der Expedition Mitte Dezember keine gefunden haben, wollen sie den Baiji (Lipotes vexillifer), das bislang seltenste Säugetier der Erde, für ausgestorben erklären.

Forschungsschiff | Mit zwei Forschungsschiffen haben Wissenschaftler vom Dreischluchtendamm bis nach Shanghai nach Baijis gesucht – bislang erfolglos.
Seit Anfang November fahnden 35 internationale Experten mit zwei Forschungsschiffen auf dem Fluss mit Feldstechern und Unterwassermikrofonen nach den Tieren. In den 1980er Jahren sollte es noch etwa 400 Tiere geben, bei einer letzten Zählung im Jahr 1999 wurden 13 Baijis gesichtet. Offizielle Schätzungen gehen von etwa 50 lebenden Exemplaren aus.

Kein Baiji in Sicht? | In wechselnden Teams überwachen die Forscher tagsüber ständig die Wasseroberfläche in der Hoffnung, Flussdelfine zu erspähen. Außerdem zählen sie die ebenfalls gefährdeten Indischen Schweinswale. Unterwassermikrofone unterstützen die Suche.
Schlechtes Wetter hatte die Suche erschwert, weshalb Organisator August Pfluger und das Team nun auf den Rückweg nach Wahun hoffen. Am 2. Dezember waren die Schiffe nach 1750 Flusskilometern in Shanghai angekommen. Sollten die Forscher doch noch auf Baijis stoßen, wollen sie diese in ein Reservat bei Wuhan umsiedeln – ein abgeschlossener Nebenarm könnte den Tieren eine neue Heimat bieten.

Indischer Schweinswal | Ein Indischer Schweinswal im Aquarium. Auch sie sind im Jangtse gefährdet: Bislang zählten die Forscher etwa 300 Tiere.
Doch nicht nur die vergebliche Suche nach dem Baiji macht den Wissenschaftlern Sorgen, auch die Situation der ebenfalls erfassten Indischen Schweinswale (Neophocaena phocaenoides) scheint düster: Bislang zählten die Forscher etwa 300 Tiere. Ohne intensive Schutzanstrengungen bestehe die Gefahr, dass diese Art dasselbe Schicksal erleidet wie der Flussdelfin.

Sedimentprobe | Während der Reise nehmen Forscher ständig Wasser- und Sedimentproben aus dem Jangtse.
Zusätzlich entnehmen Forscher um Beat Müller von der Eawag, dem Wasserforschungsinstitut der ETH Zürich, regelmäßig Proben, um erstmalig die Wasserqualität des Flusses systematisch zu erfassen. Im Einzugsgebiet des Flusses leben etwa 400 Millionen Menschen, und seine Mündung wurde inzwischen von der Umweltorganisation der Vereinten Nationen zur toten Zone erklärt. Ungeklärte und giftige Abwässer, Dämme, Schiffsverkehr und Fischerei machen den Jangtse nicht nur für die Flussdelfine nahezu unbewohnbar.

Neben dem Baiji gehören noch zwei weitere Arten aus dem Amazonas, dem Indus und Ganges sowie eine marin lebende Art vor Brasilien bis Argentinien zu den Flussdelfinen im engeren Sinne. Drei weitere verwandte Arten wie der Indische Schweinswal leben ebenfalls nur im Süßwasser. Sie alle sind von der IUCN als stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht eingestuft.

Die Geschichte des Baiji wurde unter anderem bekannt durch das Buch "Die letzten ihrer Art", für das der Science-Fiction-Autor Douglas Adams und der Zoologe Mark Carwadine zu aussterbenden Tierarten der Erde reisten. Sie versuchten mit Mikrofonen den Unterwasserlärm im Jangtse aufzuzeichnen, der die Kommunikation der fast blinden Tiere unmöglich macht und sie so stark irritiert, dass sie auch mit Schiffen kollidieren. Da sie kein Unterwassergerät dabei hatten, versuchten die beiden vergeblich, ein Kondom als Schutzüberzug zu erstehen – mit zahlreichen Verwicklungen und Missverständnissen. Einen frei lebenden Baiji bekamen sie weder zu Gesicht noch zu Gehör.

Das Jahr 2007 wurde indes von der Bonner Konvention zum Schutz wandernder Tierarten der Vereinten Nationen zum Jahr des Delfins ausgerufen. Deutschland beteiligt sich mit der Organisation einer internationalen Tagung zum Thema "Meeresschutzgebiete, Delfine und Kleinwale", die im Frühherbst 2007 an der deutschen Nordseeküste stattfinden soll. Ziel der Veranstaltung sei es, die Schaffung geeigneter Meeresschutzgebiete zu fördern, so Astrid Klug, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium. (af)

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