Direkt zum Inhalt

News: Keinen Kontakt, bitte!

Was für den Menschen der Gartenzaun, das ist für manche Ameisen - Luft. Eifrig entfernen sie bestimmte Triebe ihres 'Wohnbaums', damit er ja nicht mit benachbarten Bäumen in Berührung kommt. Denn dort sitzen andere Ameisenarten, die eine derartige Brücke sofort zur Invasion nutzen und die Bewohner töten würden. Amerikanische Wissenschaftler konnten den Vorgang in Afrika sehr eindrucksvoll bestätigen, indem sie einfach Äste benachbarter Bäume miteinander verbanden.
Viele Akazienarten bilden hohle, geräumige Dornen, in denen baumbewohnende Ameisen ein Zuhause finden. Für das "Dach über dem Kopf" vertreiben die Tiere Schädlinge oder kappen konkurrierende Pflanzen. Lange Jahre schon ist das Zusammenspiel zwischen Ameisen und Akazien ein Lehrbuchbeipiel für Symbiose. Daß sie ihren "Vermietern" jedoch nicht nur Vorteile bringen, zeigt ein Beispiel aus Afrika: Dort sterilisieren Ameisen der Art Crematogaster nigriceps ihre Wirtspflanze, indem sie Knospen systematisch entfernen.

Gleichzeitig erweisen sich die Tiere als wahre Gärtnermeister, denn sie beschneiden auch Zweige und Triebe. Die von ihnen bewohnten Flötenakazien (Acacia drepanolobium) besitzen deutlich mehr Zweige, wenn sie ihre kleinen Baumschneidekünstler beherbergen (Nature vom 7. Oktober 1999).

Wissenschaftler um Maureen Stanton von der University of California in Davis wollten wissen, ob diese Beobachtung Zufall oder wirklich die Folge der Aktivitäten der kleinen schwarzen Untermieter ist. Im Mpala Research Centre in Kenia entfernten sie die Ameisen von einigen Bäumen. Nach zwei Vegetationsperioden hatten die Bäume tatsächlich ein Viertel weniger Äste als bewohnte Akazien.

Der Grund für diese Verhaltensweise der Ameisen ist wohl purer Selbstschutz. Neben Crematogaster nigriceps beherbergt die Flötenakazie noch drei weitere Ameisenarten, die zum Teil sehr aggressiv sind. Dementsprechend lebt auf einem Baum auch immer nur eine Ameisenart. Kommen nun jedoch Äste benachbarter Bäume in Berührung, nutzen die überlegenen Ameisenarten diese natürliche Brücke und fallen über die Bewohner des neuen Lebensraumes her. Solche Kämpfe gehen überwiegend zu Ungunsten von Crematogaster nigriceps aus, wie die Forscher nachweisen konnten. Als sie die Zweige von benachbarten Bäumen miteinander verbanden, waren nach sechs Monaten in den meisten Fällen die Kolonien von Crematogaster nigriceps vertrieben. "Der Boden unter den Bäumen war buchstäblich gepflastert mit toten und sterbenden Ameisen", erzählt Stanton. So formt der Kampf der Ameisen um den Lebensraum das Aussehen der Bäume und damit ganzer Landschaften.

Siehe auch

Lesermeinung

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte