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Keltenzeit: Das älteste verzehrte Hühnerei Deutschlands

Erhalten sind nur winzige Splitter von Eierschalen. Doch die belegen direkt, dass die Menschen diesseits der Alpen vor rund 2400 Jahren begannen, Hühnereier zu verzehren.
Helle Hühner in einem Hühnerstall.

Archäologen haben in Nordschwaben Reste eines vor etwa 2400 Jahren verspeisten Hühnereis entdeckt. Es handle sich um den ältesten Nachweis für den Verzehr von Eiern nördlich der Alpen, teilt das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege in einer Pressemitteilung mit. Da die Schalensplitter zwischen verkohlten und entsorgten Fleisch- und Getreideresten lagen, sei davon auszugehen, dass auch das Ei damals, zur Zeit der Kelten, als Lebensmittel diente. »Dieser auf den ersten Blick so unscheinbare Fund zeugt von einer kleinen Zeitenwende, was die menschlichen Ernährungsgewohnheiten betrifft«, beurteilt Bayerns Generalkonservator Mathias Pfeil die Ergebnisse.

Die Fragmente der Eierschalen waren 2020 auf einer Baustelle in Nördlingen im Landkreis Donau-Ries gefunden worden. Damals entdeckten die Ausgräber das Skelett eines keltischen Jungen sowie die Grube mit Speiseresten. Damit keine Überreste verloren gehen würde, siebten die Fachleute das Erdreich besonders fein. So konnten die millimetergroßen Eiersplitter gesichert werden.

Nun erbrachten die Landesarchäologen gemeinsam mit einer Arbeitsgruppe der englischen University of York den Nachweis, dass es sich um die Reste eines Hühnereis handelt. Per Massenspektrometrie bestimmten die Forscherinnen und Forscher die Proteinmoleküle der Speisespuren. Anhand der Eiweißstruktur konnten sie die Vogelart identifizieren, die das Ei einst legte: ein Huhn. Mit Hilfe der Radiokarbondatierung stellte das Team zudem das Alter der Speiseabfälle fest: Sie stammen aus dem 4. Jahrhundert v. Chr.

Nach Angaben des Landesamts wurde bislang vermutet, dass die Menschen erst im 3. bis 2. Jahrhundert v. Chr. begonnen haben, sich in größerem Stil Hühner zum Eierlegen zu halten. Zuvor, ungefähr ab dem 8. Jahrhundert v. Chr., hielt man sich zwar auch schon Hühner als Nutztiere, wie Knochenfunde bezeugen. Doch in den Fundkontexten aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. und in späteren Befunden lagen auffällig mehr Knochen von Hennen als von Hähnen. Offenbar wurden die Tiere ab dieser Zeit gezielt zum Eierlegen gezüchtet. (dpa/kas)

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