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Ende einer Exoplaneten-Ära: Keplers letzte Stunde

Neuneinhalb Jahre hat das Weltraumteleskop Kepler nach Planeten im Orbit ferner Sterne gesucht. Nun stellt der Veteran unter den Exoplaneten-Jägern seinen Dienst ein.
Weltraumteleskop Kepler (künstlerische Darstellung)

Das Weltraumteleskop Kepler hat nach neuneinhalb Jahren endgültig seinen Betrieb eingestellt. Das teilte die NASA am Dienstagabend auf einer Pressekonferenz mit. Kepler zählt zu den bekanntesten Weltraummissionen der Gegenwart: Das schwebende 95-Zentimeter-Teleskop hat tausende bis dato unbekannte Exoplaneten entdeckt und damit den Blick der Menschheit auf das Universum nachhaltig verändert.

Als der Forschungssatellit im März 2009 ins All startete, waren gerade einmal einige Hundert solcher Welten im Orbit ferner Sterne bekannt. Heute führt der Katalog der NASA rund 3800 bekannte Exoplaneten. Einen Großteil davon hat Kepler entdeckt.

Mehrere Dutzend der fernen Planeten kreisen in der so genannten habitablen Zone um ihren Stern, schätzen Astrophysiker. Gemeint ist der Abstand von einem Stern, in dem es lauwarme Temperaturen – und damit flüssiges Wasser – auf der Oberfläche eines Planeten geben könnte. In den vergangenen Tagen kamen allerdings Zweifel an dieser Rechnung auf: Möglicherweise sei die Zahl der Planeten mit lebenskompatiblen Eigenschaften auch deutlich geringer, teilte die NASA mit.

Minineptune, überall

Auch so gilt Kepler als großer Erfolg. Dank des Teleskops, das bis August 2013 einen kleinen Himmelsausschnitt im Sternbild Schwan beobachtete, konnte die Menschheit erstmals abschätzen, wie häufig bestimmte Planetentypen im Weltall vorkommen. Eine der größten Überraschungen: Mit der häufigste Typ scheinen so genannte Minineptune zu sein – vergleichsweise kleine Gasplaneten, die in unserem Sonnensystem nicht auftauchen.

Kepler spürte weit entfernte Welten auf, indem es minutiös die Helligkeit von rund 190 000 Sternen in seinem Blickfeld aufzeichnete. Verdunkelte sich einer der Sterne in periodischen Abständen ein wenig, war das ein Indiz dafür, dass ein Exoplanet zwischen Stern und Teleskop vorüberzog; Experten sprechen von der Transitmethode.

Eine Frage konnte Kepler nicht beantworten, obwohl sie Teil der offiziellen Missionsziele war: Wie häufig sind Gesteinsplaneten vom Format der Erde, welche ihren Stern in einem ähnlichen Abstand wie die Erde die Sonne umrunden? Letztlich spürte Kepler keine einzige Welt auf, deren Eigenschaften unserer Heimat gleichen.

Ärger mit den Drallrädern

Solche Zwillingserden sind besonders schwer aufzuspüren. Und letztlich schaute Kepler vermutlich nicht lange genug ins Sternbild Schwan, um einige von ihnen zweifellos nachzuweisen, wie der 2017 veröffentliche Beobachtungskatalog der Mission nahelegt.

2013 fiel auch noch das zweite von vier Drallrädern auf dem Satelliten aus, ohne das sich das Teleskop nicht mehr dauerhaft auf einen Himmelsausschnitt ausrichten ließ. Allerdings gelang es danach noch, Beobachtungsdaten aus verschiedenen Blickrichtungen zu sammeln. Nun ist diese als »K2« bekannte Missionsphase zu Ende gegangen – der Treibstoff des Satelliten ist schlicht aufgebraucht.

Exoplaneten-Missionen der NASA
Exoplaneten-Missionen der NASA | Die NASA plant nach Kepler eine Reihe weiterer Weltraummissionen, die Beiträge zur Exoplanetenforschung liefern sollen.

Der Kepler-Nachfolger hat bereits seinen Dienst aufgenommen: Im April 2018 ist der Forschungssatellit TESS ins All gestartet und wird in den kommenden Jahren das Weltall nach Exoplaneten durchforsten. Anders als Kepler wird TESS große Teile des Firmaments nach Exoplaneten absuchen und soll dabei vor allem besonders nahe Welten im Orbit roter Zwergsterne aufspüren.

Sie brennen längst nicht so heiß wie unsere Sonne, weshalb lebenskompatible Planeten hier in kleinerem Abstand von ihrem Stern ihre Bahnen ziehen können und damit leichter nachweisbar sind. Mit Teleskopen wie dem James Webb Teleskop wollen Astrophysiker dann untersuchen, welche Gase etwaige Atmosphären dieser Welten enthalten. Im Idealfall könnten Wissenschaftler so bereits binnen der kommenden fünf Jahre herausfinden, ob noch andere Planeten Leben beherbergen können.

44/2018

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 44/2018

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