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Programmieren mit KI: Durch Vibe Coding wird jeder zum Programmierer

Inzwischen muss man nicht mehr Informatik studieren, um Code zu schreiben. Und auch die KI zum Vibe-Coden programmiert sich inzwischen selbst.
Allgegenwärtige Informatik
Mithilfe von KI-Systemen können nun auch Laien einfache Software entwickeln.

Das Programmieren erlebt gerade einen Aufwind wie 2004, als Apple mit »GarageBand« die Musikproduktion für alle zugänglich machte. Oder wie 1985, als Microsoft mit Excel die Tabellenkalkulation digitalisierte, was die Arbeit von Buchhaltern umkrempelte. Und nun ermöglichen es Programme wie Claude Code von Anthropic oder Codex von OpenAI, Programmcode in natürlicher Sprache zu schreiben, was als Vibe Coding bekannt ist. 

Es gibt zahlreiche Vibe-Coding-Plattformen, und in den letzten Jahren habe ich mehrere davon ausprobiert, darunter Windsurf und Replit. Ich war beeindruckt von ihren Möglichkeiten, stieß aber oft auf Probleme, die gute Programmierer leicht lösen konnten. Unter anderem erwies es sich als schwierig, Websites zu erstellen, die meinen Vorstellungen entsprachen. Mit der Veröffentlichung von Claude Code im Februar 2025 gab es einen enormen Fortschritt, gerade in Bezug auf Nutzerfreundlichkeit und Geschwindigkeit, mit der es Probleme versteht. Ich habe mit der neuesten Version mehrere Websites erstellt, und jedes Mal, wenn ich auf ein Problem stieß, beschrieb ich es, und Claude Code behob es.

Man kann jedoch nicht über Claude Code sprechen, ohne Codex von OpenAI zu erwähnen. Es ist das erste große Sprachmodell, das bereits im August 2021 einfache englische Anweisungen in Programmcode umwandelte. Zwei Jahre später stellte OpenAI das KI-Programm, das sich stetig weiterentwickelt hatte, unerwarteterweise ein. Die US-Firma forderte Entwickler dazu auf, auf GPT-3.5 zu wechseln. Das Programmieren gliederte sich in die vielen Fähigkeiten ein, die das KI-System ausführte.

KI programmiert sich selbst

Zu diesem Zeitpunkt stieg Anthropic mit einem anderen Ansatz in den Wettbewerb ein. Im März 2023 stellte das Unternehmen das KI-Modell Claude vor, das zwar programmieren konnte, aber den Nutzern gefiel vor allem, dass sich die Unterhaltungen mit dem Chatbot »wie natürliche Gespräche anfühlten«, wie Autumn Besselman von Quora es ausdrückte. In den nächsten zwei Jahren wurde Claude immer weiterentwickelt, wodurch sich auch dessen Programmierfähigkeiten drastisch verbesserten. 

Anfang 2025 wurde KI zum Erstellen von Code bei Nichtprogrammierern immer populärer. Im Februar dieses Jahres prägte der ehemalige OpenAI-Programmierer Andrej Karpathy den Begriff »Vibe Coding«. Drei Monate später stellte OpenAI das KI-Programm Codex erneut zur Verfügung und veröffentlichte den Quellcode des KI-Tools. Damit grenzte es sich von Anthropic ab, das einen Entwickler verklagt hatte, der auf Claude Codes Funktionsweise zurückgeschlossen hatte.

Claude Code schreibt mittlerweile etwa 90 Prozent seines eigenen Programmcodes

Auch zwischen den beiden KI-Giganten bauten sich Spannungen auf, als Anthropic behauptete, Mitarbeitende von OpenAI würden Claude Code zur Entwicklung von GPT-5 verwenden. Daraufhin entzog Anthropic OpenAI den Zugang mit Verweis auf seine Geschäftsbedingungen, die Kunden die Nutzung von Claude zum Entwickeln eines Konkurrenzprodukts untersagen. 

Inzwischen habe in der Softwareentwicklung ein regelrechter »Phasenübergang« stattgefunden, schrieb Karpathy im Januar 2026 auf X: »Ich programmiere jetzt hauptsächlich auf Englisch.« Und auch Boris Cherny, ein Mitarbeiter von Anthropic, erklärte: »So ziemlich 100 Prozent unseres Codes werden mit Claude Code und Opus 4.5 geschrieben.« Das bestätigte ein anderer Sprecher von Anthropic, der angab, Claude Code würde mittlerweile etwa 90 Prozent seines eigenen Programmcodes schreiben.

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