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Naturschutz: Killerroboter gegen feindliche Invasoren

Eine Armada aus Seesternen frisst das australische Barriereriff kaputt. Nun sollen Unterwasserroboter zum Schutz ausrücken.
DornenkronenseesternLaden...

Das Große Barriereriff Australiens gehört zum Weltnaturerbe – und ist bedroht: Neben Umweltverschmutzung, Versauerung der Meere und steigenden Temperaturen machen ihm in den letzten Jahren auch vermehrt Dornenkronenseesterne (Acanthaster planci) zu schaffen. Diese Stachelhäuter gehören eigentlich zur natürlichen Fauna des Korallenriffs und treten regelmäßig massenhaft auf, doch die Abstände haben sich in den letzten Jahrzehnten zwischen einzelnen Ausbrüchen verkürzt, während die Zahl der beteiligten Tiere stark gewachsen ist. 40 Prozent des Riffs wurden dadurch seit den 1980er Jahren schwer geschädigt. Bislang bekämpfen Taucherpatrouillen die Plage händisch, indem sie den Tieren das Gift Natriumbisulfit in jeden Arm spritzen – eine Sisyphusarbeit, die vergleichsweise wenige Seesterne tötet. Doch das könnte sich bald ändern, denn die beiden Ingenieure Matthew Dunbabin und Feras Dayoub von der Queensland University of Technology haben den COTSbot nun zur Anwendungsreife entwickelt: den Crown-of-thorns-Starfish-Roboter, der bei jeder Wetterlage und rauer See autonom die Seesterne bekämpfen soll.

Er ist mit hunderten Dosen des letalen Gifts bestückt, die er mit Hilfe eines Greifarms in die Tiere spritzen kann. Eine hochsensible Erkennungssoftware sorgt dafür, dass die Maschine tatsächlich nur die Dornenkronenseesterne attackiert. Ist das Gerät unsicher, schickt es eine Bilddatei an die Basisstation, wo ein Mensch entscheidet, ob der COTSbot aktiv werden darf. Erste Tests haben gezeigt, dass der Roboter hochseetauglich ist; spätestens im Dezember 2015 sollen Versuche folgen, bei denen auch seine Bordwaffen gegen die Stachelhäuter zum Einsatz kommen. Dunbabin geht davon aus, dass der Roboter in 99,99 Prozent der Fälle das richtige Ziel erfassen wird. Pro Einsatz kann der COTSbot acht Stunden im Wasser bleiben und dabei 200 Seesterne töten. Damit arbeitet er nicht unbedingt besser als Taucher, doch dafür sind die Risiken geringer; zumal er weniger von den äußeren Bedingungen abhängig ist als Menschen.

Mit den Seesternen werden allerdings nur Symptome der ökologischen Krise am Riff bekämpft, da sich das Ökosystem eigentlich an die regelmäßigen Invasionen angepasst hat. Unter normalen Bedingungen sorgen die Tiere sogar dafür, das Riff gesund und artenreich zu erhalten, indem sie beispielsweise schädliche Algen kurzhalten. Das immer häufigere massenhafte Auftreten überfordert jedoch die Regenerationsfähigkeit der betroffenen Steinkorallen, über die sich die Seesterne stülpen und die sie mit Verdauungssäften auflösen. Über die Ursache der zunehmenden Plagen können Biologen bislang nur spekulieren: Womöglich fördert die Überdüngung des Meeres durch landwirtschaftliche Abwässer das Algenwachstum, wovon wiederum die Larven der Seesterne profitieren. Eventuell verschwanden – etwa durch Überfischung – auch natürliche Fressfeinde der Stachelhäuter. Lösungen hierfür zu finden, dürfte allerdings schwieriger sein, als zahlreiche COTSbots ins Wasser zu setzen.

37/2015

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 37/2015

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