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News: Kinder auf dem Rad im Verkehrsdschungel

Kinder bis 15 Jahre verunglücken im Straßenverkehr als Radfahrer häufiger, als wenn sie zu Fuß unterwegs sind. Wissenschaftler haben daher untersucht, wie "verkehrstauglich" radelnde Kinder in Großstädten und ländlichen Gemeinden sind.
Bis zu einem Alter von 14 Jahren können Kinder die Beherrschung des Fahrrades noch erheblich verbessern. So weisen die 14jährigen etwa 30% bessere Meßwerte auf als die 7jährigen. Zu diesem Ergebnis kommen Oliver Borgert und Dr. Thomas Henke vom Lehrstuhl für Sportmedizin der Ruhr-Universität Bochum nach einem mehrjährigen Projekt. Die Wissenschaftler sind der Frage nachgegangen, mit welchem Alter Kinder ihr Fahrrad ausreichend beherrschen, um sicher am Straßenverkehr teilnehmen zu können. Darüber hinaus haben sie die Wirksamkeit von gängigen Radfahrübungsprogrammen überprüft.

Der zunehmend dichter werdende Straßenverkehr stellt für radfahrende Kinder heutzutage mehr und mehr ein Problem dar, dem man sich angesichts steigender Unfallzahlen in diesem Bereich nur schwer entziehen kann. In diesem Zusammenhang stellt sich allzu häufig das Problem, daß Kinder ihr Fahrrad nicht in dem Maße beherrschen, um darauf aufbauend die Regeln zur sicheren Teilnahme am Straßenverkehr umzusetzen.

Vor diesem Hintergrund wurde eine Untersuchung mit insgesamt 300 Kindern und Jugendlichen durchgeführt, womit erstmals Daten zur Beherrschung des Fahrrades von Schulkindern zwischen 7 und 14 Jahren aus ländlichen und städtischen Wohngebieten vorliegen. Die Fahrradbeherrschung wurde mit Testfahrrädern überprüft, die mit Hilfe von Sensoren Aufschluß darüber geben, wie sicher das Fahrrad bei unterschiedlichen Aufgaben gesteuert werden kann. Aufgrund der so gewonnenen Meßwerte müssen sich die Wissenschaftler nicht auf die sonst übliche Beurteilung durch Beobachtung verlassen, sondern erhalten harte Meßdaten.

Die Untersuchungen haben gezeigt, daß sich Kinder bis zu einem Alter von 14 Jahren in bezug auf die Beherrschung des Fahrrades noch erheblich verbessern können. So weisen die 14jährigen etwa 30% bessere Meßwerte auf als die 7jährigen. Erstaunlich ist hierbei, daß sich die Fahrradbeherrschung zwischen dem siebten und vierzehnten Lebensjahr kontinuierlich verbessert. Ebenso wurde deutlich, daß auch Jugendliche zwischen 11 und 14 Jahren mit der Bewältigung von straßenverkehrstypischen Situationen aufgrund mangelnder Fahrpraxis überfordert sein können.

Einen Vorsprung von etwa 2 Jahren haben Kinder und Jugendliche aus ländlichen Bezirken vor solchen aus städtischen Einzugsgebieten. Den Grund hierfür sehen die Bochumer Wissenschaftler in der wesentlich häufigeren Nutzung des Fahrrades als Verkehrsmittel auf dem Land, was auch die Befragung der untersuchten Schülerinnen und Schüler ergab. Am deutlichsten zeigt sich dies bei den 13-14jährigen Mädchen aus der Stadt, die das Fahrrad sehr selten nutzen und nur geringfügig besser beherrschen als ihre 11-12jährigen Mitschülerinnen.

Die Wirksamkeit der durchgeführten Radfahrübungsprogramme ist ein weiterer Hinweis darauf, daß das Niveau der Fahrradbeherrschung unmittelbar von dem aktuellen Gebrauch des Fahrrades als Verkehrsmittel abhängt. Basierend auf den Erkenntnissen, die im Forschungsprojekt gewonnen wurden, und den Erfahrungen aus zehn Jahren Fahrradforschung geben die Wissenschaftler einige Empfehlungen in bezug auf den Problemkreis radfahrender Kinder im Straßenverkehr.

  • Zum einen sprechen sie sich für eine Lockerung des Verbotes der Nutzung des Bürgersteiges mit dem Fahrrad ab einem Alter von 10 Jahren aus, da das individuelle Niveau der Fahrradbeherrschung damit nicht genügend berücksichtigt wird.
  • Auf der anderen Seite halten sie die Einführung einer Radfahrprüfung mit höherem verkehrspolitischem Stellenwert für sinnvoll. Eine derartige Radfahrprüfung sollte jedoch nicht zu einem pauschalen Radfahrverbot führen, sondern – falls notwendig – eine Schulungsmaßnahme zur Verbesserung der Fahrradbeherrschung nach sich ziehen.

Zur Steigerung der Straßenverkehrssicherheit radfahrender Kinder sollte die schulische Radfahrausbildung aber auch unabhängig von individuellen Defiziten einen größeren Stellenwert bekommen. Die hier vorgestellte Studie schließt mit dem Hinweis, daß selbst eine optimale Schulung des radfahrenden Kindes mit Hilfe spezifischer Übungsprogramme die Verkehrspolitik jedoch nicht von ihrer Verantwortung entbindet, für die Entwicklung eines radfahrerfreundlichen Straßenverkehrs Sorge zu tragen.

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