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News: Kinder und Sucht: Eltern spielen wichtige Rolle!

Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 15 Jahren, die ihre Eltern schätzen und sich bei ihnen wohl fühlen, sind weniger anfällig für Zigaretten, Alkohol, weiche und harte Drogen. Kinder und Jugendliche, die eine schlechtere Meinung von ihren Eltern haben und die das Elternhaus eher als Streß erleben, sind früher und häufiger anfällig für solche Süchte. Zudem neigen sie mehr dazu, sich mit Gleichaltrigen zu streiten, depressiv verstimmt zu sein und sie lassen sich leichter zu kleineren Alltagsverfehlungen - wie 'etwas mitgehen lassen' oder schwarzfahren - hinreißen.
Es sind sechs Eigenschaften der Eltern, die den Unterschied ausmachen:
  • Kinder fühlen sich von Mutter und Vater wirklich verstanden
  • Kinder schätzen Mutter und Vater als fähige Ratgeber für ihr Leben ein
  • Kinder finden, dass Mutter und Vater aufmerksam ihre Schulzeit begleiten
  • Kinder erleben gemeinsame Freizeitaktivitäten mit ihren Eltern
  • Kinder finden das Klima in der Familie kooperativ und harmonisch
  • Kinder fühlen sich als Person von Mutter und Vater wirklich geachtet

Etwa jedes vierte Kind in Deutschland schreibt seinen Eltern solche günstigen Eigenschaften zu, sowohl dem Vater als auch der Mutter. Jedes vierte Kind urteilt, dass seine Eltern zu wenig von diesen Eigenschaften zeigen. Dabei zählt allein die Qualität der persönlichen Beziehung zwischen Eltern und Kindern – aus der Sicht der Kinder, nicht aus der Sicht der Eltern. Äußere Merkmale der Familien oder der Kinder spielen, entgegen einer verbreiteten Meinung, keine oder nur eine kleine Rolle für ein sicheres Aufwachsen. "Glückskinder" und "Stresskinder" finden sich gleich oft in neuen und alten Bundesländern, unter Söhnen und Töchtern, unter deutschen und ausländischen Familien, bei Hauptschülern und Gymnasiasten, bei erfolglosen und erfolgreichen Schülern, unter Einzelkindern und unter Kindern mit Geschwistern. Allerdings sprechen die Kinder und Jugendlichen, die mit beiden biologischen Eltern zu Hause leben, ihren Müttern und Vätern die günstigen Eigenschaften etwas häufiger zu.

Die Arbeitsgruppe von der Universität Siegen hatte Gelegenheit, Gespräche in Familien zwischen Eltern und Kindern zu "kritischen Fragen" des Aufwachsens (zum Beispiel abends nach Hause kommen, Drogenkonsum, TV-Programme) zu videographieren. Dabei stellte sie fest, dass die befragten Kinder und Jugendlichen gute Beobachter waren. Eltern mit den sechs günstigen Eigenschaften redeten anders mit ihren Kindern als Eltern, denen diese Eigenschaften vom Nachwuchs abgesprochen worden waren. Eltern der "Glückskinder" lachten mehr gemeinsam mit ihren Kindern, sie bezogen ihre Kinder mehr ins Gespräch mit ein und wollten deren Meinung zum strittigen Gegenstand wissen, und sie setzten sich weniger als "Stresseltern" selbst als erwachsene Autorität in Szene. Die "Glückskinder" kooperierten ihrerseits bereitwilliger mit den Eltern als die "Stresskinder", die sich eher kurz angebunden und distanziert gaben.

Die Studie wurde zwischen 1993 und 2000 am Siegener Zentrum für Kindheits- und Jugendforschung (SiZe) der Universität Siegen durchgeführt und zunächst von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Bonn, in den drei letzten Jahren von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Köln unterstützt. Sie umfasst zwei repräsentative Befragungen von insgesamt rund 1500 Kindern zwischen 10 und 15 Jahren und deren Eltern in Deutschland beziehungsweise in größeren Städten.

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