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Abstrakte Kunst

Kinder und Tiere malen fast so gut wie Künstler

Schimpansenmalerei
Was macht Kunst zur Kunst? Diese Frage bietet freilich viel Diskussionsstoff. Vor allem die abstrakte Kunst hat mit Vorurteilen zu kämpfen, etwa dem, dass Kleinkinder, Affen oder Elefanten vergleichbare Werke hervorbringen. Mikhail Simkin von der University of California in Los Angeles näherte sich der Sache nun, wie schon viele vor ihm, mit Statistik. Seine Interpretation ist allerdings ungleich provokant: Professionelle Künstler sind demnach nur geringfügig besser als ihre jungen oder tierischen Kollegen.

Schimpansenmalerei
Kunst oder Kritzelei? | Dieses Gemälde malte nicht etwa ein berühmter Vertreter der abstrakten Kunst, sondern der Schimpanse "Congo".
Der Forscher griff auf eine frühere Studie [1] zurück und befragte zudem 56 000 Besucher seiner eigenen Internetseite, welche Bilder sie für echte Kunst oder aber für eine Fälschung hielten. In beiden Erhebungen lagen die Befragten in rund zwei Drittel der Fälle richtig, was deutlich über einem zufälligen Ergebnis liegt. Während einige dies als Bestätigung für die abstrakte Kunst sehen, stellt sich Simkins die Frage, wie überlegen die professionellen Künstler den Kindern oder Tieren tatsächlich sind.

Dazu verglich der Wissenschaftler die Resultate mit einem anderen bekannten Experiment, in dem Testpersonen verschiedene Gewichte nur durch Hochheben bestimmen sollen. Je ähnlicher die Massen, desto schwieriger wird es natürlich, Unterschiede zu erkennen. So halten Probanden nur in 72 Prozent der Fälle das 100-Gramm-Gewicht für schwerer als das 96-Gramm-Gewicht. Der wahrnehmbare Unterschied fällt hier also nur geringfügig größer aus als bei der abstrakten Kunst.

Überträgt man dieses Ergebnis auf die Urheber der abgefragten Gemälde, sind Künstler also nur vier Prozent besser als Kinder oder Tiere, folgert Simkin [2]. Vergleichbar sei das bestenfalls mit einem Schachanfänger und einem durchschnittlichen Hobbyspieler, so das vernichtende und wohl nicht ganz unumstrittene Urteil des Forschers. (mp)
24. KW 2011

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 24. KW 2011

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