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Entwicklungshilfe: Kindersterblichkeit muss stärker bekämpft werden

10,5 Millionen Kinder sterben jährlich weltweit vor ihrem fünften Geburtstag. Die meisten Todesfälle wären mit einfachen Mitteln zu verhindern. Aktuelle Analyse zeigen, dass dafür aber zu wenig Geld von den Geberländern fließt und die Krankheitsvorsorge vor Ort überwiegend unzureichend ist. Ohne zusätzliche Hilfen lässt sich daher das Millenniumsziel der Vereinten Nationen, die Sterblichkeit von unter Fünfjährigen bis 2015 um zwei Drittel zu senken, nicht verwirklichen, mahnen die Autoren.

Timothy Powell-Jackson von der London School of Hygiene and Tropical Medicine und seine Kollegen haben die transferierten Finanzhilfen der wichtigsten Geberländer analysiert. Demzufolge flossen im Jahr 2004 insgesamt 1,99 Milliarden US-Dollar in Projekte zur Gesundheit von Müttern, Neugeborenen und kleinen Kindern – das sind gerade einmal zwei Prozent der Brutto-Finanzhilfen für Entwicklungsländer. Die sechzig ärmsten Länder mit der höchsten Kindersterblichkeit erhielten davon 1,36 Milliarden US-Dollar oder 3,1 Dollar pro Kind. Um das Millenniumsziel zu erreichen, wären mindestens zusätzliche sieben Milliarden US-Dollar pro Jahr nötig [1].

Die Forscher stellten außerdem fest, dass zu wenig Mittel in die Projekte zur Bekämpfung von Durchfall und Lungenentzündung fließen, den Haupttodesursachen unter Kindern weltweit. Auch erhielten manche besonders bedürftigen Länder weniger Unterstützung pro Kopf als andere, die es nicht ganz so dringend benötigten. Darunter finden sich besonders viele Staaten, in denen Krieg herrschte oder gerade beendet wurde.

In einer anderen Studie untersuchten Jennifer Bryce von der Johns-Hopkins-Universität und ihre Kollegen, inwieweit die Maßnahmen vor Ort den Vorgaben zur Erfüllung des Millennium-Ziels entsprechen. Nur sieben Staaten – Ägypten, Bangladesch, Brasilien, Indonesien, Mexiko, Nepal und die Philippinen – seien dabei auf dem Weg, die Zielvorgabe zu erreichen, erklären die Forscher. 39 Länder machten Fortschritte, müssten jedoch noch schneller werden. 14 Staaten jedoch böten größten Anlass zur Sorge: Hier ist die Kindersterblichkeit in den letzten Jahren sogar wieder gestiegen. Zudem sorgten bewaffnete Konflikte, aber auch die HIV-Pandemie für massive Probleme im Schutz der Kinder.

Fünfzig der sechzig am stärksten betroffenen Staaten müssten außerdem dringend ihre Anstrengungen intensivieren, Kinder gegen Masern, Keuchhusten, Diphtherie und Tetanus zu impfen, erklären die Forscher weiter. Auch schliefen nur drei Prozent der Kinder unter mit Insektiziden behandelten Moskitonetzen – ein effektiver Schutz gegen Malaria. Wie ihre Kollegen schließen Bryce und ihr Team, dass eine Aufstockung der Entwicklungshilfe dringend nötig wäre. Die Bundesrepublik Deutschland stellte im Jahr 2004 insgesamt sechs Milliarden Euro Entwicklungshilfe zur Verfügung – das waren knapp 0,3 Prozent des nationalen Bruttosozialprodukts.
19.09.2006

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 19.09.2006

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