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Zuhören für Einsteiger: Kleine Einführung in die Welt der Podcasts

Viele tun es beim Autofahren, beim Putzen oder beim Einschlafen: Rund die Hälfte der Deutschen hören zumindest gelegentlich Podcasts. Ein Einblick in die Vorlieben des deutschen Podcast-Publikums.
Eine Person sitzt auf einem gelben Sofa und hört etwas über Kopfhörer, die mit einem Smartphone verbunden sind. Im Hintergrund sind ein Globus, eine Uhr und ein Regal zu sehen. Die Person trägt eine Brille und hat ein Tattoo auf dem Arm. Die Szene wirkt entspannt und gemütlich.
Stöpsel ins Ohr, und niemand kann mithören: Podcasts sind eine überwiegend private Leidenschaft.

Mit einem Podcast kann man sich wunderbar die Zeit vertreiben. Man hört zu, wie andere Leute etwas erzählen, wahlweise voll konzentriert oder nur mit halbem Ohr. Das lässt sich mit fast jeder anderen Tätigkeit kombinieren und perfekt auf die eigenen Interessen und Bedürfnisse abstimmen. Die Wäsche zusammenlegen, mit »6 Minute English« von der BBC. Auf dem Hometrainer strampeln, mit »Mord auf Ex«. Entspannt im Stau stehen oder auf die verspätete Bahn warten, mit dem Podcast »Alles gesagt?«.

Für die Älteren unter uns: Ein Podcast ist wie eine Radiosendung, nur dass man ihn jederzeit und wiederholt abspielen oder unterbrechen kann. Für die Jüngeren: wie YouTube, nur für die Ohren – auch wenn einige Podcasts dort inzwischen auch als Video erscheinen. Es gibt professionelle Nachrichten, Interviews und Reportagen ebenso wie private Plaudereien zwischen Freunden und Monologe über jedes beliebige Spezialinteresse. Knapp 120 000 Podcasts in deutscher Sprache zählte die Podcast-Suchmaschine Listen Notes im Juli 2026. Die Auswahl wächst um etwa 2,3 Millionen, wenn es auch auf Englisch sein darf. Weltweit gibt es ungefähr 3,8 Millionen Podcasts; fast 500 000 laufen noch, produzieren also weitere Folgen.

Technisch gesehen ist ein Podcast eine mehrteilige Sendereihe, die in Form von Audiodateien auf einem Server gespeichert ist. Die einzelnen Episoden kann man online abspielen (»streamen«) oder auf einen Rechner oder ein Smartphone herunterladen, zum Beispiel über eine App von Apple oder Spotify. Man kann einem Podcast »folgen«, das heißt sich über neue Episoden informieren lassen, um keine zu verpassen. Typischerweise erscheinen sie in regelmäßigen Abständen, beispielsweise einmal pro Woche, und können theoretisch unbegrenzt weiterlaufen. Manche Formate allerdings, vor allem Hörspiele und Dokumentationen, erzählen abgeschlossene Geschichten und sind so auf eine feste Zahl von Episoden begrenzt.

Alles kann Thema sein; nahezu jede Leidenschaft wird bedient. Spezialwissen über Dinosaurier? »I know Dino«. Data Science für Fortgeschrittene? »Data Skeptic«. Mehr als 700 kurze Lektionen Astronomie? »Sternengeschichten«. Die weltweit etwa 100 000 Wissenschaftspodcasts bilden allerdings eines der kleineren Genres.

Die Themenwoche »Podcasts«

Podcasts sind für viele Menschen fester Bestandteil des Alltags. Was macht das Verhältnis zwischen Podcastern und ihrem Publikum so besonders? Wem hören wir gern zu? Und was macht eigentlich ein gutes Gespräch aus? Antworten geben nicht nur Forscherinnen und Forscher. Auch Fachleute aus der Praxis teilen ihre Erfahrungen: die Sprechtrainerin Birte Heckmann, der »Sternengeschichten«-Erzähler Florian Freistetter und der Gesprächskünstler Matze Hielscher von »Hotel Matze«.

  1. Zuhören für Einsteiger: Kleine Einführung in die Welt der Podcasts
  2. Motivforschung: Warum so viele Menschen Podcasts lieben
  3. Deep Talk: Was ist ein schönes Gespräch, Matze Hielscher?
  4. Wissenschaftspodcasts: »Man braucht kein Studio und keine Redaktion«
  5. Stimm- und Sprechtraining: Schöner reden
  6. In eigener Sache: Podcasts aus dem Spektrum-Universum

In Deutschland hört circa jeder Zweite ab 16 Jahren zumindest hin und wieder Podcasts. Das ergab 2025 eine Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom unter rund 1200 Personen. Und laut einer YouGov-Befragung aus demselben Jahr kommt mehr als jeder vierte Erwachsene sogar auf mindestens eine Stunde Hördauer pro Woche. Im internationalen Vergleich über 49 Länder liegt Deutschland damit allerdings deutlich unter dem Durchschnitt.

Verbreitet ist Podcasthören hierzulande vor allem unterwegs im Auto und in öffentlichen Verkehrsmitteln, außerdem beim Einschlafen, Entspannen und beim Putzen oder Aufräumen. Fragt man Menschen ab 16, welche Themen sie am meisten interessieren, nennen sie am häufigsten Nachrichten und Politik, Wirtschaft und Finanzen. Die Sparten Comedy und True Crime stehen hier nicht in den Top Ten – jedenfalls den eigenen Angaben zufolge. Die objektiven Zahlen verraten jedoch: Zu den heimlichen Publikumslieblingen zählen Comedy und True Crime. Gemessen an den monatlichen Abrufen stehen sie ganz oben auf der Rangliste, wie die Arbeitsgemeinschaft Mediaanalyse 2025 ermittelte.

Die Big 3 in den Charts

Die aktuellen Charts bestätigen das. Die Website Podwatch.io kombiniert die Ranglisten der beiden großen Plattformen Apple und Spotify zu einem Ranking; das Redaktionsnetzwerk Deutschland zeigt beide getrennt. Die Listen sehen zwar nicht gleich aus, da sich ihre Nutzergruppen und die verwendeten Erfolgskennzahlen unterscheiden. Doch für beide gilt: In den Top Ten dominieren die drei Gattungen Nachrichten/Politik, Unterhaltung/Comedy und True Crime, die meisten davon Talkformate. Darunter sind auch so genannte Laberpodcasts wie »Gemischtes Hack«, in denen die Hosts meist locker und lustig über ihre Lieblingsthemen plaudern.

Die Vorlieben des Podcast-Publikums ändern sich über Monate hinweg nur wenig. Die Toptitel steigen oder fallen gelegentlich ein paar Plätze, und hin und wieder mischt sich mal vorübergehend eine aktuelle Doku-Reihe unter die Top Ten. Aber wer einmal in den oberen Rängen gelandet ist und weiter produziert, hat es in der Regel geschafft: Das »Podlikum« bleibt seinen Lieblingen treu.

Die meistgehörten deutschsprachigen Podcasts werden mehr als fünf Millionen Mal im Monat abgerufen, wie die Arbeitsgemeinschaft Medianalyse berichtet. Der erfolgreichste Podcast weltweit, »The Joe Rogan Experience«, kommt gar auf 200 Millionen Abrufe. In jeder Folge interviewt der gleichnamige US-Comedian einen Gast, darunter berühmte Politiker, Sportler und Unternehmer ebenso wie Klimawandelexperten und Verschwörungstheoretiker. Der Podcast steht in den USA seit Jahren regelmäßig an der Spitze der Charts. Auch dort typisch für die Top Ten: Talkformate, vorwiegend männlich dominiert. Und True Crime, in den USA wie hierzulande häufig mit weiblichen Hosts.

Die Faszination für True Crime

Kriminalgeschichten zählten stets zu den Publikumslieblingen, ob in Romanen, Film oder Fernsehen. Knapp zwei Drittel der True-Crime-Fans sind weiblich, wie eine Befragung in 56 Ländern ergab. Fachleute erklären das teils mit der Lust am Rätselraten und der Faszination für dunkle Geheimnisse. Teils jedoch auch damit, dass sich vor allem Frauen auf diese Weise für reale Gefahren wappnen wollen. 

Laut einer Studie unter 300 mehrheitlich weiblichen True-Crime-Fans in den USA geht es den meisten von ihnen nicht um den Adrenalinkick. Vielmehr wollten sie lernen und verstehen – und True-Crime-Formate erlauben es, aus sicherer Distanz in die seelischen Abgründe des Menschen einzutauchen. Die Befragten gaben zum Beispiel an, verstehen zu wollen, warum Menschen Verbrechen begehen, um so besser für ihre eigene Sicherheit sorgen zu können. Unterhaltung und Aufregung spielten vor allem für jene eine Rolle, die zu Narzissmus neigten. Sonstige Motive wie Entspannung und Voyeurismus verfolgten vermehrt Befragte mit psychopathischen Zügen. 

Als Türöffner für True-Crime-Podcasts – und überhaupt für den Erfolg von Podcasts – gilt die preisgekrönte erste Staffel von »Serial« aus dem Jahr 2014. Darin rekonstruiert die Journalistin Sarah Koenig den Mord an einer Schülerin in Baltimore 1999 und das nachfolgende Gerichtsverfahren, das in einer umstrittenen Verurteilung endete. Die True-Crime-Doku wurde zu einem Riesenerfolg. Ein guter Einstieg für jeden, der noch nie einen Podcast gehört hat und bereit ist für eine neue Leidenschaft.

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