Direkt zum Inhalt

Klimageschichte: Kleine Eiszeit durch schwachen Golfstrom?

Womöglich ist ein wichtiger Grund für das Auftreten der so genannten Kleinen Eiszeit in Europa zwischen 1200 und 1850 geklärt: Der Golfstrom könnte während dieser 650 Jahre um ein Zehntel schwächer ausgefallen sein als gegenwärtig.

Entsprechend weniger Wärmeenergie transportierte er von den Tropen nordwärts, was große Teile der Nordhemisphäre – vor allem in Europa und Teilen Nordamerikas – durchschnittlich um etwa ein Grad Celsius abkühlte. Die Schwächephase wurde nach Ansicht von David Lund vom Massachusetts Institute of Technology und seiner Kollegen ausgelöst, weil sich die Innertropische Konvergenzzone (ITC) – die von aufsteigenden Luftmassen und häufigen wie ergiebigen Niederschlägen gekennzeichnet ist – um bis zu 1000 Kilometer nach Süden verlagert hatte. Dadurch ging der Regen unter anderem nicht mehr vor der Küste Floridas nieder, sodass dort die relative Aussüßung des Meerwassers ausfiel. Damit fehlte dem Golfstrom allerdings die salzärmere und leichtere Oberflächenschicht, die den Wassertransport nach Norden zusätzlich verstärkt. Die Messungen der Forscher zeigen denn auch, dass die schwächsten Phasen des Golfstroms mit den höchsten Salzkonzentrationen der Gewässer rund um Florida einhergingen.

Ermittelt hat Lunds Team diese Unterschiede anhand der sedimentären Überreste von Foraminiferen: Diese winzigen Lebewesen bauen je nach Wassertemperatur und Salzgehalt jeweils unterschiedliche Mengen des Sauerstoff-Isotops 18O in ihre Schalen ein. Durch den Vergleich ihrer Werte aus der Straße von Florida zwischen der Halbinsel und den Bahamas ermittelten sie, wie sich die Fließgeschwindigkeit zeitlich und räumlich veränderte – ihre 1000-jährige Zeitreihe zeigt ein entsprechendes Tief während der Kleinen Eiszeit.

Womöglich kann sich das Golfstrom-System auf diese Weise aber ebenso wieder zu einem aktiveren Zustand regenerieren. Das salzhaltigere Wasser, das trotzdem weiterhin nach Norden verbracht wird, ist sehr schwer und sinkt deshalb am Nordende des Strömungsgürtels bei Grönland leichter ab und zieht dabei verstärkt Nachschub aus Süden nach. Dadurch verändert sich der Temperaturgradient im Bereich des tropischen Atlantiks, was zu einer Wiedererwärmung des Ozeans nördlich des Äquators führt. Damit verlagert sich die ITC ebenfalls wieder nordwärts, sodass sich der Kreis wieder schließt. (dl)

Schreiben Sie uns!

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte