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News: Kleine Schritte der Gentherapie

Erfolge der Gentherapie sind umstritten - zumindest wenn es sich um klinische Studien handelt. Was für den Menschen vielleicht nur eine Hoffnung bleiben wird, ist im Tiermodell schon erfolgreich. Hier lassen sich bestimmte Tumoren durch eine vorherige Gabe einer vollständigen Kopie eines ansonsten beschädigten Gens um 50 Prozent vermindern.
Seit vor über zehn Jahren die Gentherapie in Mode kam, haben sich unzählige Forschungsgruppen weltweit mit den hoffnungsvollen und anscheinend unbegrenzten Möglichkeiten der neuen Therapieform beschäftigt. Doch spätestens seit dem Tod des erst 18-jährigen Jesse Gelsinger im September 1999 sind auch die damit verbundenen Gefahren in aller Munde. Denn um die entsprechenden Genabschnitte an ihre Zielorte zu bringen, bedienen sich die Wissenschaftler meist natürlicher Transportmittel. Besonders hoch im Kurs standen bisher doppelsträngige DNA-Viren, die beim Menschen überwiegend Erkrankungen der Atemwege, aber auch des Magen-Darm-Traktes und der Bindehaut des Auges verursachen: die Adenoviren. In zu hohen Konzentrationen, oder bei geschwächtem Immunsystem der Patienten, kann sich die Gabe der Viren allerdings fatal auswirken. Neue Ergebnisse im Tiermodell hingegen lassen die Hoffnungen wieder steigen.

Allerdings: Maus ist Maus und Mensch ist Mensch. Daran ist nicht zu rütteln, und so lassen sich viele Erkenntnisse, die durch Untersuchungen der kleinen Nager gewonnen wurden, nicht direkt auf den Menschen übertragen. Auch wenn die Aussicht rosig wäre. Denn Krebsforscher und Neurologen des Jefferson Medical College der Thomas Jefferson University in Philadelphia haben Labormäuse zu einer Krebsprophylaxe verhelfen können.

In ihren Untersuchungen züchteten die Wissenschaftler einen Mäusestamm, dem ein FHIT genanntes Gen fehlt. Im menschlichen Genom liegt dieser Genabschnitt in einer für Brüche anfälligen Region des Chromosoms 3. Die Häufigkeit, mit der hier Schäden im Genom auftreten, ist höher als in vielen anderen Bereichen des Erbguts. Sie stehen beim Menschen mit einer ganzen Reihe an Krebserkrankungen, wie Magen-, Lungen-, Brust- und Leberkrebs, in Zusammenhang. Um die Auswirkung defekter FHIT-Gene aufzuspüren, teilten die Forscher die genlosen Mäuse in vier Gruppen auf. Während alle einem krebsauslösendem Stoff ausgesetzt waren, erhielten drei Gruppen eine jeweils durch den eingesetzten Virentyp abweichende Prophylaxe. Bei Gruppe 1 dienten Adenoviren als Gentaxi für das fehlende FHIT-Gen. In Gruppe 2 lieferte das Adeno-assozierte-Virus die Genfracht und Gruppe 3 kombinierte beide Varianten. Adeno-assozierte-Viren sind defekte, beziehungsweise abhängige Viren, die für eine Ausknospung aus der befallenen Zelle Helfer – etwa Adeno- oder Herpesviren – benötigen.

Kontrollmäuse ohne jede Form des FHIT-Gens entwickelten alle Magentumore – die mit Gentherapie behandelten Mäuse hingegen nur zu 50 Prozent. Ob als Genfähre Adenoviren oder Adeno-assozierte-Viren verwendet wurden, spielte für das Ergebnis nur eine untergeordnete Rolle. Interessant für die Wissenschaftler ist außerdem, dass die Viren den Weg durch die ungemütliche Magen-Darm-Passage schadlos überstehen, wo mit einem pH-Wert von 1 bis 2 recht angriffslustige Bedingungen herrschen. Möglicherweise könnte die orale Gabe von verbesserten Medikamenten auf Basis der Gentherapie in Zukunft als Vorsorge für Hochrisiko-Patienten dienen, bei denen das FHIT-Gen beschädigt ist.

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