Kleinplaneten im August 2026: Ein Rekordmonat für die Asteroidenjagd

Insgesamt zehn Objekte, von denen mit Metis und Dembowska auch zwei in Opposition zur Sonne kommen, machen den August zum Monat mit der größten Zahl an leicht zu beobachtenden Kleinkörpern im Sonnensystem in diesem Jahr. In einem kleinen Teleskop ab etwa sechs Zentimetern Öffnung sollten sie sich gut aufspüren lassen. Sie können in der Nähe hellerer Sterne leichter identifiziert werden – vor allem die lichtschwächeren Kleinplaneten wie Hekate und Unitas, die ein etwas größeres Instrument erfordern. Mit 2000 YV137 gelangt auch wieder ein erdnaher Apollo-Asteroid in die Reichweite besser ausgerüsteter Amateure. Alle Zeitangaben beziehen sich auf Mannheim.
Helle Kleinplaneten
Nach mehrmonatiger Abwesenheit macht sich der Zwergplanet (1) Ceres allmählich wieder am Morgenhimmel im Sternbild Stier bemerkbar. Am 7. August tritt er in den Orion ein. Nur drei Tage später, am 10. August, finden wir Ceres knapp 1,5 Grad südlich des Roten Planeten Mars. Bereits am 14. August wandert sie weiter in die Zwillinge. Ihre Helligkeit nimmt im August von anfänglich 9,0 mag nur um ein Zehntel einer Größenklasse zu. Dagegen verfrühen sich ihre Aufgangszeiten im Monatsverlauf von 02:35 Uhr MESZ auf 01:19 Uhr. Am 23. August hält sich Ceres nur gut fünf Bogenminuten nördlich des hellen Sterns Eta Geminorum (η Gem, 3,3 mag) auf. Bei den Passagen von HIP 26616 (6,4 mag) am 1. und 141 Tau (6,4 mag) am 15. August ist der gegenseitige Abstand mit jeweils 8,5 Bogenminuten etwas größer. Bei diesen drei Gelegenheiten lässt sie sich besonders leicht identifizieren.
In überwiegend südlicher Richtung bewegt sich (2) Pallas durch das Sternbild Walfisch. Sie geht Anfang August um 00:14 Uhr MESZ auf und ist 9,4 mag hell. Bis zum Monatsende ist ihre Helligkeit schon auf 8,8 mag angestiegen, und sie klettert um 22:46 Uhr über den Horizont.
(3) Juno steht am 26. Juli im Sternbild Adler in Opposition und platziert sich damit der Sonne gegenüber am Himmelsfirmament. Ihre Helligkeit steigt dabei auf 9,1 mag – ein eher mittelprächtiger Wert. Mitunter ist sie etwa eine Magnitude leuchtschwächer, gelegentlich aber auch mehr als 1,5 mag heller, wie zuletzt im Jahr 2018. Anfang August erreicht sie mit 9,1 mag um 00:58 Uhr MESZ ihre Kulminationsstellung, also ihre höchste Position am Himmel im Süden. Am Ende des Monats leuchtet sie während dieser um 22:35 Uhr nur noch mit einer Helligkeit von 9,5 mag. Juno lässt sich am 12. August besonders leicht aufspüren, denn sie befindet sich dann lediglich 1,5 Bogenminuten nordwestlich des 6,5 mag hellen Doppelsterns HIP 98038 (siehe »Juno trifft Sternenpaar«).
Der Asteroid (3) Juno zieht im Juli und August durch das Sternbild Adler und kommt dabei dem 6,5 mag hellen Doppelsternsystem HIP 98038 bis auf 1,5 Bogenminuten nahe – eine selten enge Begegnung, die das Auffinden des Himmelskörpers deutlich erleichtert.
In den Stunden nach Mitternacht kann (4) Vesta im Sternbild Walfisch aufgefunden werden. Ihre Aufgangszeiten verlagern sich von anfänglich 00:26 Uhr MESZ auf 22:40 Uhr am Monatsende. Im August nimmt ihre Helligkeit von 7,7 mag auf 7,2 mag deutlich zu.
Zunächst ist (8) Flora im Sternbild Schütze noch 9,6 mag hell und zeigt sich um 23:41 Uhr MESZ im Süden. Kurz nach der Monatsmitte, wenn sie diese Position bereits um 22:33 Uhr erreicht, wird sie aber schon wieder schwächer als 10. Größe.
In den letzten Julitagen wird (9) Metis im Sternbild Wassermann wieder heller als 10 mag. Anfang August leuchtet sie bereits mit 9,8 mag und steigert sich bis zu ihrer Opposition am 28. August auf eine Helligkeit von 9,2 mag. Ihre Kulminationszeiten verlagern sich im Monatsverlauf von 03:55 Uhr MESZ auf 01:35 Uhr.
(18) Melpomene wechselt am 29. August vom Sternbild Schild in den Schützen und steht am Monatsbeginn noch mit 9,2 mag um 23:32 Uhr MESZ im Süden. Bis Ende August hat ihre Helligkeit auf 9,8 mag abgenommen, und sie sinkt um 02:15 Uhr unter den Horizont. Am 21. August ist sie vier Bogenminuten nordöstlich des Sterns HIP 90991 (5,7 mag) vergleichsweise leicht auszumachen.
In den ersten Monatstagen wird (192) Nausikaa wieder heller als 10. Größe. Sie bewegt sich durch das Sternbild Fische und bereitet sich auf eine besonders günstige Oppositionsstellung zur Sonne vor, in die sie Ende September kommen wird. Anfang August geht sie um 23:04 Uhr MESZ auf. Am Ende des Monats, mit einer Helligkeit von 9,3 mag, erreicht sie die maximale Höhe im Süden um 03:35 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt wird sie fast vom zunehmenden Mond bedeckt.
(324) Bamberga durchläuft am 28. Juli im Sternbild Steinbock eine relativ günstige Opposition zur Sonne. Ihre Helligkeit beträgt dann 9,3 mag. Im August verlagert sich ihre Kulminationszeit von 01:29 Uhr MESZ auf 22:57 Uhr. Sie leuchtet am Monatsende nur noch 9,8 mag hell und überschreitet die Grenze zum Sternbild Schütze am 27. August (siehe »Bamberga auf der Ekliptik«).
Ende Juli erreicht (324) Bamberga ihre Opposition zur Sonne und zeigt sich im Sternbild Steinbock besonders günstig am Nachthimmel. Im Lauf des August wandert der Asteroid weiter westwärts in Richtung Schütze auf die scheinbare Bahn der Sonne zu.
Schließlich steht auch noch (349) Dembowska am 13. August im Sternbild Südlicher Fisch der Sonne gegenüber und wird dabei 9,8 mag hell. Im nächsten Jahr werden es sogar 9,7 mag sein. Ihre Umlaufzeit um die Sonne von fast genau fünf Jahren bringt es mit sich, dass auf zwei günstige Oppositionen im August und November immer zwei weniger günstige im Februar und Mai folgen, bei denen sie rund 0,5 mag lichtschwächer bleibt. Zum Monatsbeginn überquert Dembowska um 02:49 Uhr MESZ den Meridian, am Monatsende bereits um 00:26 Uhr. Sowohl am Anfang als auch am Ende des Monats leuchtet sie mit einer Helligkeit von jeweils 10,0 mag.
Lichtschwächere Kleinplaneten
Am 11. Juli 1868 entdeckte der US-amerikanische Astronom James Craig Watson am Detroit Observatory in Ann Arbor, Michigan, einen Kleinplaneten. Das Objekt (100) Hekate wurde unabhängig von ihm genau eine Woche später auch von dem französischen Astronomen Charles Wolf, einem der Namensgeber der Wolf-Rayet-Sterne, aufgefunden. Benannt wurde der Asteroid nach einer griechischen Göttin. Die Namensfindung könnte, wie der belgische Mathematiker und Astronom Jean Meeus meint, auch von der Tatsache beeinflusst worden sein, dass »hekaton« im Altgriechischen »einhundert« bedeutet.
Hekate umrundet die Sonne auf einer mäßig exzentrischen (e = 0,17) und um 6,4 Grad gegen die Ekliptik geneigten Bahn einmal in 5,43 Jahren. Der knapp 90 Kilometer große Himmelskörper kommt am 22. August im Sternbild Wassermann in eine ziemlich günstige Opposition zur Sonne und leuchtet dabei mit einer Helligkeit von 11,0 mag. Damit verfehlt er den für ihn größtmöglichen Wert – den er zuletzt im August 2015 erreichte – um 0,2 mag. In ungünstigen Fällen bleibt Hekate rund zwei Magnituden leuchtschwächer. Am 17. August passiert sie den ziemlich lichtschwachen Stern TYC 5809-937-1 (9,5 mag) in einem Abstand von nur drei Bogenminuten und lässt sich am 26. August bei dem etwas helleren Stern HIP 109243 (8,7 mag) auffinden.
Der Planetoid (306) Unitas wurde am 1. März 1891 von dem italienischen Astronomen Elia Millosevich am Observatorium des Collegio Romano in Rom entdeckt. Es war seine zweite und letzte Kleinplanetenentdeckung. Der Asteroid hält sich am 11. August im Grenzgebiet der Sternbilder Wassermann und Steinbock in einer besonders günstigen Oppositionsstellung zur Sonne auf und wird 10,4 mag hell. Nur sehr selten geht es auch noch 0,1 mag heller. Bei ungünstigen Oppositionen ist Unitas bis zu zwei Magnituden lichtschwächer. Mit einer Exzentrizität von e = 0,15 ist auch ihre Bahn mäßig elliptisch. Die Neigung gegen die Ebene der Ekliptik beträgt lediglich i = 7,3 Grad. Die rund 47 Kilometer große Unitas läuft einmal in 3,62 Jahren um unser Zentralgestirn. Zwei günstige Gelegenheiten zum Auffinden des Planetoiden ergeben sich am 6. August und am 27. August: Am ersten Termin befindet er sich 6,5 Bogenminuten westlich des Sterns HIP 195146 (7,1 mag) und am zweiten 3,5 Bogenminuten südöstlich von HIP 104524 (8,4 mag).
Interessante Begegnungen
Am Morgen des 12. und 13. August können die Sterne 4 Geminorum (4 Gem, 6,9 mag) und 6 Geminorum (6 Gem, 6,4 mag) beim Aufsuchen der noch ziemlich lichtschwachen (27) Euterpe (11,6 mag) behilflich sein. Die Annäherung ereignet sich rund 2,5 Grad südöstlich des Roten Planeten Mars und gut 3 Grad östlich des Zwergplaneten Ceres, der in diesem Monat bei mehreren Gelegenheiten schon mit kleinen Fernrohren leicht zu finden ist. Ebenfalls am 12. August zieht Juno in nur 1,5 Bogenminuten Abstand an dem engen Doppelstern HIP 98038 (6,5 mag) vorbei. Um diesen zu trennen, sollte das Teleskop einen Durchmesser von mindestens 20 Zentimeter haben.
Die Tabelle gibt die Zeiten, Himmelsorte und weitere Daten von Begegnungen der Kleinplaneten mit anderen Objekten wieder.
Erdnahe Asteroiden
Mit dem Programm NEAT (Near-Earth Asteroid Tracking) der NASA wurde am 31. Dezember 2000 auf dem Haleakalā, Hawaii, der Asteroid (173561) 2000 YV137 entdeckt. Er stellte sich als Mitglied der Apollo-Asteroidengruppe heraus. Deren Vertreter besitzen große Bahnhalbachsen von mehr als einer Astronomischen Einheit (AE). 1 AE entspricht dabei der mittleren Entfernung der Erde von der Sonne und beträgt 149,6 Millionen Kilometer. Im sonnennächsten Punkt ihrer Bahn, dem Perihel, sind die Apollo-Asteroiden weniger als 1,017 AE von unserem Zentralgestirn entfernt. Letzteres entspricht dem sonnenfernsten Punkt, dem Aphel, der Erde zur Sonne – sie kreuzen also die Erdbahn. Namensgeber der Gruppe ist der bereits im Jahr 1932 entdeckte Asteroid (1862) Apollo.
2000 YV137 umrundet unser Zentralgestirn einmal in 1,74 Jahren auf einer beträchtlich elliptischen (e = 0,31) und stark gegenüber der Ekliptik geneigten Umlaufbahn (i = 28 Grad). Dies führt ihn zum Zeitpunkt seines Perihels bis auf 0,998 AE an die Sonne heran und im Aphel 1,898 AE von ihr weg. In diesem Jahr kommt der Planetoid am 9. August in die Nähe der Erde und passiert sie in einer Distanz von 0,034 AE (rund fünf Millionen Kilometern) – es ist die größte Erdnähe seit seiner Entdeckung. Dabei steigt seine Helligkeit auf 13,1 mag an. Zwar kam er uns im Jahr 1972 noch näher und wurde etwa 12 mag hell, blieb jedoch unentdeckt. Eine noch geringere Distanz ergibt sich erst wieder im Jahr 2167 mit einem Abstand zur Erde von dann nur 0,021 AE (3,1 Millionen Kilometern). In dem recht kurzen Beobachtungszeitraum bewegt sich der Kleinplanet am Morgenhimmel mit maximal 40 Bogensekunden pro Minute vom Sternbild Pegasus weiter durch die Fische und den Walfisch bis ins Sternbild Chemischer Ofen (lateinisch: Fornax). Am Morgen des 11. August ist er rund sechs Bogenminuten vom Stern HIP 10798 (6,3 mag) entfernt. Die Redaktion freut sich über Ihre erfolgreichen Aufnahmen.
Eine für Mannheim gültige topozentrische Ephemeride des Kleinplaneten mit möglicherweise noch kleinen Unsicherheiten findet sich in der Tabelle. Grundsätzlich empfiehlt es sich, tagesaktuelle Ephemeriden zu verwenden. Diese lassen sich zum Beispiel unter http://www.minorplanetcenter.net/iau/MPEph/MPEph.html erstellen.
Positionsmessungen von Planetoiden sind für eine Verbesserung ihrer Bahnelemente von großer Bedeutung. Weitere Hinweise zur Auswertung erfolgreicher Beobachtungen finden sich auf der Website der Fachgruppe Kleine Planeten der Vereinigung der Sternfreunde: www.kleinplanetenseite.de.
gültig für 04:00 Uhr MESZ
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