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Chemie: Kleopatras Perlencocktail

Kleopatra
"… mersit ac liquefactum absorbuit": "Sie ließ sie in die Flüssigkeit fallen und trank sie in gelöster Form". So beschreibt der römische Chronist Plinius der Ältere, was die Pharaonin Kleopatra mit einer kostbaren Perle tat – und zwar nur wegen einer Wette mit ihrem Geliebten Marcus Antonius. Viele Forscher zweifeln an der Überlieferung des Plinius’. Schließlich ließe sich eine Perle in einfachem Essig nicht auflösen. Doch jetzt legt eine amerikanische Forscherin dar, dass der Trick durchaus gelingen konnte.

Demnach hängt alles von der Konzentration der Säure ab. Ist sie zu gering, löst sich der Perlmutt nicht, ist sie zu stark, ist die Lösung untrinkbar. So jedenfalls argumentierten Historiker bisher. Doch waren deren chemische Kenntnisse offenbar gering. Denn Prudence Jones von der Montclair University fand heraus: In einer fünfprozentigen Säurelösung löst sich Perlmutt schon in drei Minuten, in einer 25-prozentigen Lösung hingegen erst nach 35 Minuten. Und erstaunlicherweise bleibt die Substanz in reiner Essigsäure praktisch unbeschadet.

Der Grund ist einfach, denn die Essigsäure muss "dissoziieren", um ihre Säurekraft zu entwickeln. Die freien Wasserstoffionen können indes erst im Wasser ihre korrosive Kraft entfalten. Ob Legende oder nicht: Kleopatra hätte ihre Wette somit in der Tat mit Hilfe relativ stark verdünnten Weinessigs gewinnen können.

Classical World 103: 2, 2010

Claudia Reinert

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