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Klima: Warum wuchs das antarktische Eis ab 2021?

Auch das Eis der Antarktis ist nicht unendlich und schwindet seit Jahren. Doch zwischen 2021 und 2023 kehrte sich der Trend um. Ursache war eine Fernwirkung aus den Tropen.
Luftaufnahme eines großen Gletschers, der in ein dunkles Meer mündet. Die weiße Eisfläche erstreckt sich weit in den Hintergrund, während das Wasser im Vordergrund dunkelblau erscheint. Der Himmel ist klar und blau, was die Weite und Kälte der Landschaft betont.
Das Totten-Eisschelf in der Ostantarktis schrumpfte bis 2021 beträchtlich, doch danach folgte eine Pause.

Seit Mitte der 1990er-Jahre hat die Antarktis mehr als drei Billionen Tonnen Eis durch Schmelze verloren – vor allem im westlichen Teil des Kontinents, während der Osten über die Jahrzehnte weitgehend stabil geblieben ist. Zwischen 2021 hat dieser Prozess jedoch eine markante Pause eingelegt. Die Eismasse der Antarktis legte insgesamt sogar wieder zu. Die Gründe dafür hat ein Team um Yunhe Wang von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Qingdao in einer Studie zusammengetragen: Demnach sorgte eine klimatische Fernwirkung für erhöhte Schneefälle und Eisbildung im ostantarktischen Queen-Mary- und Wilkes-Land. Diese kompensierten und übertrafen vorübergehend die fortgesetzten westantarktischen Eisverluste.

Die Arbeitsgruppe hatte für ihre Arbeit verschiedene satellitengestützte, meteorologische und Eisdaten zusammengetragen, ausgewertet und in ein Modell eingespeist. Eismassenmessungen aus dem All beispielsweise zeigten, wo in der Region Gletscher und Schelfeis schwanden und wo sie zulegten. Insgesamt nahm das Eis zwischen 2021 und 2023 jedes Jahr um mehr als 300 Milliarden Tonnen zu, wie eine frühere Studie gezeigt hatte. Die Wetterdaten belegten, dass dies mit intensiven Niederschlägen in Teilen der Ostantarktis zusammenhing, die in dieser Zeit oft als Folge sogenannter atmosphärischer Flüsse auftraten: Diese Himmelsströmungen transportieren enorme Mengen an Wasserdampf, die je nach Zielregion zu sehr ergiebigen Regen- oder Schneefällen führen.

Ausgelöst wurden diese atmosphärischen Flüsse durch eine Kombination aus atmosphärischen und maritimen Wechselwirkungen, deren Ursache jedoch weit außerhalb der polaren Breiten lag: im Bereich des sogenannten tropischen Wärmepools – dem Übergang vom Indischen zum Pazifischen Ozean zwischen Indonesien, den Philippinen, Neuguinea und dem nördlichen Australien. Hier steigen die Wassertemperaturen regelmäßig auf durchschnittlich 28 Grad Celsius, doch hielt diese Erwärmung zwischen 2021 und 2023 verglichen mit den 20 Jahren zuvor außergewöhnlich lang an. 

Die besonderen Bedingungen im Meer wirkten sich letztlich auch auf die Atmosphäre aus, wo sich besonders intensive Rossby-Wellen bildeten: großräumige, wellenförmig nach Nord und Süd ausschwingende Luftmassengrenzen. Es entwickelten sich daraus teils sehr stabile Ketten aus Hochs und Tiefs, wobei sich über der Ostantarktis eine ausgesprochene Hochdruckanomalie ausbildete, in der sich die Luft stark abkühlte. Gegen sie strömten regelmäßig atmosphärische Flüsse an, die zu intensiven Schneefällen führten. Etwa zwei Drittel des antarktischen Eiszuwachses entfielen auf das Queen-Mary- und Wilkes-Land, wo das Phänomen besonders stark ausgeprägt war: 351 Milliarden Tonnen über die zwei Jahre hinweg. 

Tatsächlich könnte das sogar regelmäßig passieren. Wang und Co. gehen davon aus, dass diese Fernwirkung periodisch in einem Zeitrahmen von Jahrzehnten wiederkehrt und in diesen Phasen die Eismasse zumindest lokal wächst. Insgesamt geht der Trend für die Antarktis weiterhin in Richtung Verlust. Nach dem Erliegen der quasi dauerhaften atmosphärischen Flüsse setzte sich der Rückgang des Eises fort: Von 2023 auf 2024 verlor die Antarktis netto erneut 140 Milliarden Tonnen Eis.

  • Quellen

Wang, Y. et al., Nature 10.1038/s41586–026–10912-x, 2026

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