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News: Klimaänderungen auf Exoplaneten verfolgt

Gasriese vor seinem Mutterstern
Der extrasolare Planet HD 80606b erwärmt sich während seines extrem exzentrischen Umlaufs um seinen Stern in wenigen Stunden um rund 700 Grad, berichten Forscher um Gregory Laughlin von der University of California in Santa Cruz. Es ist das erste Mal, dass Wetteränderungen auf einem Exoplaneten in Echtzeit gemessen wurden.

Der im Jahr 2001 entdeckte Gasriese braucht nur rund drei Monate für einen kompletten Orbit um seinen Stern. Von der Erde aus betrachtet, läuft er bei jedem Umlauf einmal hinter seinem Stern entlang, kurz bevor er diesem am nächsten kommt. Ein Glücksfall für die Astronomen, denn so konnten sie seine Wärmestrahlung indirekt bestimmen. Zu diesem Zweck verfolgten Laughlin und sein Team das Spektrum seines Muttergestirns mit dem Weltraumteleskop Spitzer über einen Zeitraum von 30 Stunden.

Flotter Klimawandel
Flotter Klimawandel | Computermodelle zeichnen diese Bilder vom rund 200 Lichtjahre entfernten Exoplaneten HD 80606b im Sternbild Großer Bär. Die sechs Simulationen zeigen ihn etwa 4,5 bis 9 Tage, nachdem er dem Mutterstern auf seinem extrem exzentrischen Orbit am nächsten kam – bis auf ein Drittel der Erde-Sonne-Distanz. Dabei heizt er sich in nur sechs Stunden um 700 Grad auf.
Das reine Sternspektrum ergab sich, als der Trabant hinter HD 80606 vorbeizog. Von der kombinierten Strahlung abgezogen, erhielten die Wissenschaftler die vom Planeten emittierte Infrarotstrahlung kurz vor und nach seiner nächsten Annäherung. Demnach erhitzte sich der Gasriese innerhalb von nur sechs Stunden von rund 500 auf über 1200 Grad Celsius. Am sonnennächsten Punkt, der ihn bis auf ein Drittel der Erde-Sonne-Distanz an seinen Stern heranführt, erfährt er eine um 800-fach stärkere Strahlung als am weitesten entfernten Ort, berichten die Forscher.

Die neuen Erkenntnisse steckten Laughlin und seine Kollegen in Computersimulationen. Danach bilden sich vermutlich schnelle Winde, wenn sich die Atmosphäre aufheizt und expandiert, die mit Geschwindigkeiten von fünf Kilometern pro Sekunde in Richtung sternabgewandte Seite wehen. Die Rotation des Planeten führe dann zu deren Verwirbelung, so dass ausgedehnte Sturmsysteme entstehen. Erst wenn sich der Planet im weiteren Verlauf seines Orbits wieder abkühlt, lösen sich diese allmählich auf.

Mehr über HD 80606b könnten die Forscher am 14. Februar 2009 erfahren – dann wird der rund 200 Lichtjahre entfernte Planet möglicherweise direkt vor seinem Zentralgestirn entlangziehen und weitere Details von sich preisgeben. (mp)

© spektrumdirekt

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