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News: Klimakiller Regenwald

Die tropischen Wälder sind als Speicher für das Treibhausgas Kohlendioxid von geradezu sinnbildlicher Bedeutung. Doch jetzt haben Forscher den schlimmen Verdacht, dass ausgerechnet diese grünen Lungen dem Treibhaus Erde erst richtig einheizen.
Klimakiller Regenwald
Ob ein Wald Kohlendioxid speichert, ist immer eine Frage des zeitlichen Maßstabs. Über viele Baumgenerationen hinweg stehen Kohlendioxidaufnahme und -abgabe jedenfalls in einem Gleichgewicht zueinander, weshalb die Wälder langfristig gesehen den Treibhauseffekt nicht mindern helfen.

Immerhin vermuten manche Forscher, dass die ansteigenden CO2-Konzentrationen mittelfristig wie ein Dünger wirken und das Wachstum der Pflanzen derart anheizen könnten, dass der stetige, wohl auch in Zukunft kaum geminderte Anstieg des Treibhausgases in der Atmosphäre zumindest gebremst würde. Die Klimakatastrophe mit Aufschub also.

Doch vielleicht kommt alles auch viel schlimmer, denn Forscher um Deborah Clark von der University of Missouri in St. Louis sehen keinen Grund, sich auf die Kohlendioxid puffernde Wirkung der Wälder zu verlassen. Ganz im Gegenteil sind sie der Ansicht, dass ausgerechnet die tropischen Regenwälder die globale Heizung womöglich erst richtig aufdrehen.

Denn Bäume nehmen im Zuge der Photosynthese nicht nur Kohlendioxid auf und setzen dafür Sauerstoff frei, sie produzieren im Rahmen ihrer Atmung auch Kohlendioxid - und zwar insbesondere nachts und wenn es besonders warm ist. Und während das Wachstum unter wärmeren Bedingungen nur bis zu einer bestimmten optimalen Temperatur ansteigt und darüber rückläufig ist, steigt das Maß der CO2-Ausatmung mit ansteigenden Temperaturen exponentiell an.

Zumindest im Regenwald der La Selva Biological Station in Costa Rica scheinen die Gleichgewichte dieser Vorgänge schon längst aus den Fugen geraten zu sein. Die Wachstumsdaten von sechs Baumarten bezeugen: Waren die Nächte eines Jahres in dem Zeitraum von 1984 und 2000 überdurchschnittlich warm, ging das Wachstum der Bäume - die Umwandlung des Kohlendioxids in organische Materie also - deutlich zurück. Der Grund: Die Bäume atmeten nachts verstärkt Kohlendioxid aus.

Bestätigt sahen sich die Forscher bei dem Vergleich ihrer Daten mit den jährlichen Schwankungen der globalen atmosphärischen Kohlendioxid-Konzentrationen: In warmen Jahren stiegen sie deutlich an - wohl, weil die tropischen Wälder bei hohen Temperaturen zu wahren CO2-Schleudern werden. Für den El Niño von 1997/98 haben Clark und Kollegen gar einen Ausstoß von 6,7 Milliarden Tonnen Kohlenstoff pro Jahr errechnet - das entspricht immerhin der Kohlenstoffmenge aus industriellen Quellen. Hinzu kommt die infolge höherer Temperaturen beschleunigte Freisetzung von Kohlendioxid aus verrottenden Bäumen, die in diesen Modellrechnungen noch nicht einmal berücksichtigt ist.

Die Folgen jedenfalls könnten dramatisch sein und wurden bisher kaum bedacht. Wenn die Wälder aufgrund ansteigender Temperaturen weniger Kohlendioxid binden und mehr ausatmen, setzen sie damit womöglich einen Kettenreaktion in Gang, an deren Ende immer rascher ansteigende Temperaturen stehen - und immer schwächere Wälder.

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