Direkt zum Inhalt

Klimastress: Pinguine im Wettlauf um Nistplätze

Bislang leben verschiedene Arten von Langschwanzpinguinen friedlich zusammen in der Antarktis. Doch wegen des Klimawandels verschieben sie ihre Brutsaison – und werden zu Konkurrenten.
Eine Gruppe von Adeliepinguinen steht auf felsigem Gelände. Im Vordergrund sind mehrere flauschige Küken und ein ausgewachsener Pinguin mit schwarzem Kopf und weißem Bauch zu sehen. Im Hintergrund sind weitere Pinguine auf den Felsen verteilt. Der Himmel ist bewölkt.
Adeliepinguine brüten auf der Antarktischen Halbinsel und auf den vorgelagerten Inseln.

An den nördlichsten Rändern der Westantarktis leben die Langschwanzpinguine. Sie teilen sich in drei Arten auf, die recht unbeeinträchtigt voneinander in denselben Gebieten existieren. Weil jede Art einem anderen Jahresrhythmus folgt, ist ihr Zusammenleben relativ frei von Komplikationen: Adeliepinguine, Zügelpinguine und Eselspinguine finden sich zu leicht unterschiedlichen Zeitpunkten zusammen, um zu nisten. Kolonien zweier Arten brüten manchmal sogar nacheinander an denselben Orten. Doch mit dieser Idylle könnte bald Schluss sein: Die Tiere verlegen den Start ihrer jeweiligen Brutsaison im Vergleich zu anderen Tierarten mit Rekordgeschwindigkeit nach vorn und kommen sich mit ihren Brutzeiten in die Quere.

Aufgezeigt hat diese rasante Entwicklung ein Team um den Biologen Ignacio Juarez Martinez von der University of Oxford. Von 2012 bis 2022 beobachteten die Fachleute das Brutverhalten der drei Pinguinarten. Sie wollten verstehen, ob und wie die Seevögel ihre Brutzeiten mit den steigenden Durchschnittstemperaturen verändern. Dazu installierten sie Kameras an 77 Stellen auf der Antarktischen Halbinsel und den nördlich davon gelegenen Inseln sowie an der Südspitze von Feuerland. Die Geräte nahmen täglich in regelmäßigen Abständen zwischen 5 und 24 Fotos auf und maßen die Umgebungstemperatur. So dokumentierte das Team, wo und wann sich die Pinguine zum Brüten versammelten und welche Bedingungen herrschten. Zehn Jahre lang sammelten die Forschenden auf diese Weise Daten über das Brutverhalten von 37 Pinguinkolonien.

Wie die Temperaturaufzeichnungen zeigen, erwärmten sich die Brutgebiete im untersuchten Zeitraum um rund 0,3 Grad Celsius. Das ist gut viermal so viel wie die durchschnittliche jährliche Erwärmung auf den anderen Kontinenten, die bei 0,07 Grad Celsius liegt. Noch rascher steigen die Temperaturen nur in der Arktis.

Die Pinguine reagierten unterschiedlich auf diese rasche Temperaturänderung und die damit verbundenen Umwelteinflüsse. Zwar verschoben alle drei Arten ihre Brutzeit nach vorn, allerdings verschieden stark: Die Kolonien der Adeliepinguine und der Zügelpinguine brüteten im Schnitt jedes Jahr einen Tag früher, sodass sie 2022 rund zehn Tage eher mit dem Brüten begannen als noch 2012. Die Eselspinguine übertrafen ihre Verwandten sogar – mit einer Rekordanpassung von durchschnittlich 13 Tagen in zehn Jahren; einzelne Kolonien waren gar bis zu 24 Tage zeitiger dran. Kein Wirbeltier hat bisher seine Brutzeiten als Antwort auf den Klimawandel so drastisch verschoben, schreibt das Autorenteam.

Zum Problem wird das, weil die Eselspinguine bislang als Letzte der drei Arten mit dem Brüten beginnen: im Schnitt Anfang November, während die anderen Langschwanzpinguine bereits Mitte und Ende Oktober starten. Wenn die Brutzeiten sich aber angleichen, kommen sich die Arten zunehmend in die Quere und konkurrieren um Nistplätze und Futter. 

Dabei haben Eselspinguine vermutlich einen Vorteil gegenüber Adelie- und Zügelpinguinen, denn sie sind breiter aufgestellt: Anders als die Adeliepinguine sind sie nicht auf Meereis angewiesen; und während Zügelpinguine ausschließlich Krill fressen, jagen Eselspinguine auch Fisch. Erste Daten zeigen bereits, dass die Zahl der Eselspinguine zunimmt, während die Bestände von Adelie- und Zügelpinguinen schrumpfen.

  • Quellen

Martinez, I. J. et al., Journal of Animal Ecology 10.1111/1365–2656.70201, 2026

Schreiben Sie uns!

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte

Bitte erlauben Sie Javascript, um die volle Funktionalität von Spektrum.de zu erhalten.