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Klimawandel: Arktisches Meereis hat Minimum für 2021 erreicht

Mitte September erstreckte sich arktische Meereis bloß noch über 4,7 Millionen Quadratkilometer. Es war zwar schon mal weniger, doch der langfristige Trend hält an: Es schrumpft.
Arktische Tiere wie Eisbären sind auf Meereis angewiesen. Obwohl die jährliche Mindestausdehnung in diesem Jahr relativ hoch war, schrumpft die Eisdecke mit dem globalen Temperaturanstieg.

Das arktische Meereis hat seine diesjährige Mindestausdehnung überschritten und schrumpfte am 16. September 2021 auf 4,72 Millionen Quadratkilometer, wie das US-amerikanische National Snow and Ice Data Center (NSIDC) mitteilte.

Auf Grund eines kühlen und wolkenreichen arktischen Sommers war das diesjährige Minimum das höchste seit 2014 – die Eisbedeckung war fast eine Million Quadratkilometer größer als die letztjährige Ausdehnung von 3,82 Millionen Quadratkilometern, die die zweitniedrigste jemals beobachtete war. Aber es ist immer noch die zwölftniedrigste Meereisausdehnung in fast 43 Jahren Satellitenaufzeichnungen, wie eine interaktive Grafik des NSIDC eindrücklich zeigt; und die Wissenschaftler sagen, dass der langfristige Trend eine geringere Eisbedeckung ist.

»Selbst mit der globalen Erwärmung und dem allgemeinen Abwärtstrend des Meereises gibt es immer noch natürliche Schwankungen«, sagt Walt Meier, ein leitender Wissenschaftler des NSIDC, der an der University of Colorado Boulder tätig ist.

Die minimale arktische Meereisausdehnung nimmt mit einer Rate von 13,1 Prozent pro Jahrzehnt ab. »Einschließlich dieses Jahres gab es in den vergangenen 15 Jahren die 15 niedrigsten Mindestausdehnungen der Arktis«, sagt Meier. Der niedrigste Wert wurde 2012 erreicht, nachdem ein sehr starker Sturm den Verlust des dünnen Eises, das bereits zu schmelzen drohte, beschleunigt hatte.

»Bessere Eisjahre sind im langfristigen Trend zunehmend anormal«
(Steven Amstrup, Zoologe)

»Der Durchschnitt aller Jahre nimmt stetig ab, während die durchschnittliche globale Mitteltemperatur steigt«, sagt Steven Amstrup, leitender Wissenschaftler von Polar Bears International in Bozeman, Montana. Er fügt hinzu, dass es zwar in jedem Jahr höhere Meereisausdehnungen geben kann, dass aber die Häufigkeit von »schlechten« Eisjahren mit einer niedrigen minimalen Meereisausdehnung zunimmt. »Bessere Eisjahre sind im langfristigen Trend zunehmend anormal«, sagt Amstrup.

Es war ein kühler Sommer

Die arktischen Regionen erlebten in diesem Jahr einen kühleren und wolkigeren Sommer als üblich, was zum Teil durch den niedrigen atmosphärischen Druck in der nördlichen Hemisphäre verursacht wurde.

Im Juni und Juli verhinderte ein schwacher Tiefdruck in der zentralen Arktis, dass wärmere Südwinde in das Gebiet gezogen wurden. Dadurch blieb die Luft kalt, und ein Teil des Eises konnte nicht schmelzen. Ein Tiefdruckgebiet führt auch zur Bildung von Wolken, die das Sonnenlicht blockieren. Dies kann das Schmelzen weiter verlangsamen.

Im August verlagerte sich das Tiefdruckgebiet in den Norden von Alaskas Beaufort- und Tschuktschensee, was zu Lufttemperaturen führte, die zwei bis drei Grad Celsius unter dem Durchschnitt lagen. Und die Winterwinde des letzten Jahres hatten älteres, dickeres Eis in beide Meere gedrückt. »Zu Beginn des Sommers war das Eis dort also dicker als in den letzten Jahren, und das machte es etwas widerstandsfähiger«, sagt Meier. »Allerdings gibt es wahrscheinlich auch einen Aspekt des Klimawandels«, fügt er hinzu. »Es gibt insgesamt weniger älteres Eis, und die Eisdecke ist dünner. Dünneres Eis lässt sich leichter von Winden und Strömungen umherschieben.«

Eine vorübergehende Zunahme des Meereises könnte bessere Bedingungen für Arten schaffen, die das Eis zur Jagd nutzen, sagt Amstrup. »Aber es ist der Abwärtstrend des Meereises, der durch immer häufiger auftretende schlechte Eisjahre verursacht wird, der das endgültige Schicksal der Eisbären und anderer vom Meereis abhängiger Tierarten bestimmt.«

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