Bienen und Wespen: Ein warmes Frühjahr kostet Fettreserven

Viele Bienen- und Wespenarten reagieren offenbar empfindlich auf warme Frühlingsbedingungen, wie sie im Zuge des Klimawandels auch in Deutschland häufiger werden dürften. Das haben Wissenschaftler um Cristina Ganuza von der Universität Würzburg herausgefunden. Für ihr Experiment haben sie fast 15 000 ungeschlüpfte Bienen und Wespen von fünf Arten aus Süddeutschland gesammelt und untersucht.
Das Team ließ alle gesammelten Insekten unter Temperaturen heranwachsen, die das heutige und zukünftige Klima simulieren sollten. Bei allen Arten zeigte sich, dass ein warmer Frühling den Zeitpunkt nach vorn verschiebt, an dem die Tiere zum Vorschein kommen. Das galt sowohl für Frühlingsarten, die kurz nach dem Winter schlüpfen, als auch für die später schlüpfenden Sommerarten.
Doch nicht alle Arten hätten gleich reagiert, heißt es in der im Fachmagazin »Functional Ecology« veröffentlichten Studie. Verlierer im künftigen Klima könnten demnach besonders jene Frühlingsarten sein, deren Individuen die Forschenden in kalten Regionen wie dem Bayerischen Wald gesammelt hatten. Sie verbringen den ausgehenden Winter schon als weitgehend ausgereiftes Tier. In einem sonnigen Frühjahr scheint ihr bereits aktiverer Stoffwechsel stark an den Fettreserven zu zehren. Entsprechend geschwächt schlüpfen sie.
Dass sie nicht einfach noch früher schlüpfen, ist wohl eine evolutionäre Anpassung an ihre kühleren Herkunftsregionen: Würden sie dort schon bei den ersten warmen Sonnenstrahlen ins Leben starten, könnten sie von einem späten Frosteinbruch erwischt werden. Diese ursprünglich nützliche Anpassung kostet sie einen Teil ihrer Energiereserven. Wenn sich künftig auch in den eigentlich kälteren Gebieten Süddeutschlands ungewöhnlich warme Frühjahre häufen, könnte das langfristig den lokalen Insektenpopulationen schaden.
Individuen aus wärmeren Herkunftsregionen wie Unterfranken dagegen hatten diese Probleme nicht oder nicht in demselben Ausmaß. Sie sind offenbar besser auf höhere Frühjahrstemperaturen vorbereitet.
Sommerarten schienen von wärmeren Frühlingstagen tendenziell sogar zu profitieren: Einige Arten im Experiment von Ganuza und Team kamen unter künftigen Klimabedingungen früher und mit höherem Körpergewicht zum Vorschein, was ihre Überlebenswahrscheinlichkeit verbessert haben dürfte.
Andererseits gab es gerade unter den Sommerarten auch jene mit den größten Verlusten an Körpergewicht. Das betraf speziell die Nachzügler – Individuen, die besonders spät schlüpften. Sie verharrten länger in Wartestellung als ihre Artgenossen und verbrauchten unter den wärmeren Bedingungen viel von ihren Reserven. Manche von ihnen wogen nach dem Schlupf ein Drittel weniger als früher erschienene Artgenossen.
Der Versuchsaufbau von Ganuza und Team hilft dabei zu verstehen, welche Reaktionen der Insekten auf regionale, genetisch fixierte Anpassungen zurückgehen. Ob sich diese Anpassungen dann auch in der Realität so bemerkbar machen wie im Labor, werden allerdings nur Freilandexperimente zeigen. Zahlreiche Studien haben in den vergangenen Jahren jedenfalls einen dramatischen Rückgang der Insektenpopulationen in allen Ökosystemen dingfest machen können, auch wenn über die Gründe dafür noch immer Uneinigkeit herrscht. Neben dem Klimawandel gilt die Zerstörung von Lebensräumen als Hauptursache.
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