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Klimawandel: Die Wüsten verlieren ihre Pflanzen

Längere Dürren und steigende Temperaturen setzen sogar den härtesten Pflanzen zu. Das trifft besonders die artenreiche Sonora-Wüste in Nordamerika.
Arten- und pflanzenreiche Sonora-Wüste im Anza-Borrega-Schutzgebiet

Wüsten sind nicht immer monotone Sand- oder Geröllflächen: Die nordamerikanische Sonora etwa gehört zu den artenreichsten Ökosystemen der Erde und weist sogar eine relativ dichte Vegetation auf. Doch in den letzten Jahrzehnten ist der Bewuchs deutlich zurückgegangen, wie eine Studie von Stijn Hantson von der University of California in Irvine und seinem Team in »JGR Biogeosciences« feststellt: Im Anza-Borrega State Park in Kalifornien etwa verminderte sich die Vegetationsbedeckung zwischen 1984 und 2017 um mehr als ein Drittel.

»Pflanzen sterben, und nichts ersetzt sie«, sagt Hantson: »Es sieht nach einem gewaltigen Verlust für Büsche aus.« Betroffen seien vor allem die tiefer gelegenen Regionen in Südkalifornien, während in den Hochlagen das Pflanzenkleid nur um etwa 13 Prozent zurückgegangen ist. Die Auswertung der Satellitendaten bestätigte damit vergangene Studien, die auf dem Boden immer wieder dürrebedingtes Absterben von Pflanzen in den Trockengebieten der USA und Nordmexikos nachgewiesen hatten. Manche Arten gingen regional komplett ein, so dass sie dort zumindest auf gewisse Zeit ausgestorben sein könnten.

Besonders betroffen waren immergrüne Arten wie der Kreosotbusch (Larrea tridentata), verschiedene Kakteen oder Mesquiten, die zu den Hülsenfrüchtlern gehören. 90 Prozent der untersuchten Flächen waren von diesem Trend betroffen. Wacholder-, Kiefern- und Eichenwälder in den Hochlagen der Sonora waren dagegen weniger beeinträchtigt. Sie profitieren von den hier höheren Niederschlägen: Die Santa-Rosa-Berge etwa erhalten zehnmal mehr Regen oder Schnee als die Umgebung.

Seit 1950 sind die Durchschnittstemperaturen je nach Region um 0,5 bis 2,2 Grad Celsius angestiegen, wobei die Zunahme in den Wintermonaten noch stärker ausfiel. Gleichzeitig nahmen die Niederschläge im Mittel ab und die Länge von Dürren zu. »Die beobachteten Trends passen zur Hypothese, dass die Erwärmung langzeitig den Wassermangel verschärft hat«, schreiben die Wissenschaftler. Dies sein besonders im Tiefland spürbar, wo die Pflanzen zwar starke Schwankungen in der Wasserversorgung gewohnt seien. Die Bedingungen würden jedoch immer extremer für sie und überschreiten mancherorts bereits die Belastungsgrenzen der Vegetation.

Neben dem Wassermangel und verschärften Dürren sorgen aber auch noch andere Faktoren dafür, dass die Vegetation leidet und sich schlechter oder gar nicht regeneriert, etwa häufigere Buschbrände, Überweidung durch Vieh oder Zerstörungen durch Offroad-Fahrten der Spaßgesellschaft. »Die Wüsten sind wohl zerbrechlicher als viele Menschen denken«, sagt Hantson.

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