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Korallenbleiche: Manche Korallen überleben sogar extreme Hitzewellen

Wenn das Meer zu warm wird, bleichen Korallen aus. In vielen Fällen sind die Schäden mittlerweile irreversibel. Doch manchmal zeigen Riffe ungeahnte Comeback-Qualitäten. Das gilt aber nur, wenn keine weiteren Störfaktoren auftreten.
Die Temperaturzunahme macht vielen Korallenarten das Leben schwer.

In den Jahren 2015 und 2016 traf eine ausgedehnte Hitzewelle im Meer das Kiritimati-Atoll, das zum pazifischen Inselstaat Kiribati gehört. Es war eine der längsten Phasen mit überdurchschnittlich warmem Wasser, die bislang von Wissenschaftlern aufgezeichnet wurden. Und die Folgen für die Korallenriffe rund um die Insel waren verheerend, denn flächendeckend bleichten die Korallen aus: ein deutliches Stressanzeichen, das auf Dauer zum Absterben der Riffe führen kann. Laut einer Studie von Danielle Claar von der University of Victoria und ihrem Team in »Nature Communications« zeigten sich manche der ausgebleichten Korallen jedoch erstaunlich resilient und erholten sich schon wieder, als das Wasser noch aufgeheizt war.

Rund um das Atoll hatten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in ihrer Langzeitstudie mehr als 100 Korallen der beiden Arten Platygyra ryukyuensis und Favites pentagona markiert und während sowie nach der Hitzewelle untersucht. Zu Beginn der Krise lebten sie alle in einer Symbiose mit hitzeintoleranten Algen, die ihnen Nährstoffe zulieferten. Übersteigen die Wassertemperaturen jedoch einen Schwellenwert, stoßen die Korallen solche Algen ab und bleichen dadurch aus. In den Riffen existieren allerdings auch hitzetolerante Algen, mit denen zumindest manche Algen eine neue Partnerschaft eingehen können, wie Claar und Co beobachtet haben.

Nachdem die Korallen diese Symbionten aufgenommen hatten, erholten sie sich wieder, obwohl die äußeren Bedingungen eigentlich noch nicht wieder optimal waren. Dies geschah aber nicht überall, sondern nur in Gebieten, die praktisch unberührt waren und in denen keine weiteren Belastungen durch Menschen auftraten. Im Umfeld von Siedlungen beispielsweise besaßen die untersuchten Korallen bereits vor dem Ereignis hitzetolerante Symbionten. Vertreter von Favites pentagona hatten dort dadurch keinen Überlebensvorteil, und Individuen von Platygyra ryukyuensis überlebten sogar 3,3-mal schlechter als Artgenossen in anderen Bereichen des Riffs.

Neben der Klimaerwärmung werden Korallenriffe beispielsweise durch den Eintrag von Dünger oder Schwebstoffen oder mechanisch durch Schiffe und deren Anker geschädigt. Der Fang von Rifffischen kann Artenspektren verändern, was sich ebenfalls negativ auf die Korallen auswirkt. Je mehr derartige Faktoren auftreten, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Riff in einer Hitzewelle irreversibel abstirbt. Da sich Korallenbleichen durch den Klimawandel mehren werden, drängen die Forscher darauf, die anderen Einflüsse möglichst zurückzudrängen.

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