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Klimawandel: Ohne Eis mehr Feuer im Westen

Wenn im Norden das Eis fehlt, kann sich auch im Süden das Wetter ändern - und damit Großbrände begünstigen. Das legt eine Studie zum arktischen Meereis und seiner Fernwirkung nahe.
Caldor-Feuer in Kalifornien 2021

Fünf der zehn größten Waldbrände in der modernen Geschichstschreibung Kaliforniens wüteten 2020. Und auch 2021 tobten wieder riesige Feuer namens Caldor, Dixie oder River Complex, die zehntausende Quadraktilometer Wald und Busch verkohlten und wirtschaftliche Schäden in Höhe mehrerer Milliarden US-Dollar verursachten. Begünstigt wurden diese Feuer durch anhaltende Trockenheit im Westen der USA, die erst Mitte Oktober durch ausgiebige Regenfälle in Teilen Kaliforniens gelindert wurde. Das gehäufte Auftreten starker Dürren und extremer Feuerwetterlagen in der Region könnte wiederum mit dem Eisschwund in der Arktis zusammenhängen, folgern Youfei Zou vom Pacific Northwest National Laboratory und sein Team in »Nature Communications«.

Die Wissenschaftler hatten für ihre Studie Daten zu Waldbränden, der Meereisbedeckung in der Arktis und Wetterbedingungen über dem Westen Nordamerikas kombiniert und daraus Modelle berechnet, die alle drei Faktoren in einem Wechselspiel zusammenfasst. In den Simulationen ergab sich ein starker Zusammenhang zwischen dem schwindenden Meereis in der Zeit von Juli bis Oktober und einem erhöhten Risiko für ausufernde Waldbrände zwischen September und Dezember: Je kleiner die Eisbedeckung, desto größer war die Feuergefahr.

Wenn sich dunkles Meerwasser zu Ungunsten von hellen Eisflächen ausbreitet, beeinflusst dies demnach großräumige Zirkulationsmuster in der Atmosphäre: Im westlichen Nordamerika können sich dadurch häufiger starke und ausdauernde Hochdruckgebiete breitmachen, die heißes und vor allem trockenes Wetter bringen. Eine derartige Hitzeglocke hat sich beispielsweise wieder im Sommer 2021 eingestellt und Teilen Kanadas Rekordtemperaturen und intensive Waldbrände beschert.

Zou und Co schlussfolgern, dass dieser Effekt ähnlich stark auf die Waldbrandgefahr wirkt wie die schon bekannten Folgen von El Niño, der global das Wetter beeinflusst: Während es an der sonst trockenen südamerikanischen Pazifikküste ergiebig regnen kann, herrschen in Indonesien, Australien oder Kalifornien dann Trockenheit. »Extremes Feuerwetter und erhöhtes Risiko für große Waldbrände gehören zum neuen Normalzustand in Regionen wie Kalifornien«, schreiben die Wissenschaftler. Und die Bedingungen könnten sich wegen des prognostizierten weiteren Eisverlustes in der Arktis bis 2050 weiter verschärfen.

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