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Klimawandel: Ozeane 2025 mit Rekordwärme – neuntes Jahr in Folge

Die Ozeane erwärmen sich drastisch, obwohl 2025 eigentlich die kühle La Niña herrschte. Das wirkt sich auch auf Extremwetterereignisse aus.
Unterwasseraufnahme eines Korallenriffs mit stark ausgeblichenen, weißen Korallenästen im Vordergrund. Der Hintergrund zeigt das tiefblaue Meer.
Die Hitze im Ozean setzt Korallenriffen zunehmend zu. Es kommt zu ausgedehnten Bleicheereignissen.

Der Wärmeinhalt der Weltmeere bis zu einer Tiefe von 2000 Metern hat 2025 einen neuen Höchststand seit Messbeginn erreicht – das neunte Jahr in Folge. Dies geht aus einer Analyse einer internationalen Wissenschaftlergruppe hervor. Demnach hat die Wärmeenergie 2025 um 23 Billiarden Megajoule im Vergleich zu 2024 zugenommen. Ein Team um Lijing Cheng von der Chinese Academy of Sciences in Peking hat seine Forschungsergebnisse mit Daten seit 1958 im Fachjournal »Advances in Atmospheric Sciences« veröffentlicht.

Bei den durchschnittlichen weltweiten Oberflächentemperaturen der Meere war 2025 das drittwärmste Jahr nach 2024 und 2023. Den Unterschied zum höchsten Wärmeinhalt der Ozeane erklären die Forscher damit, dass sich das Klimaphänomen El Niño im Pazifischen Ozean im Laufe des vergangenen Jahres stark abgeschwächt hat. Mit der El-Niño-Phase sind regelmäßig höhere globale Temperaturen an der Meeresoberfläche verbunden. Beim Wärmeinhalt werden auch die Temperaturen in tieferen Schichten der Ozeane einbezogen. Deshalb wird die Entwicklung des Wärmeinhalts vergleichsweise wenig von Klimaphänomenen an der Oberfläche beeinflusst, sondern gilt eher als wichtiger Indikator für die Erwärmung des Planeten.

»Da die atmosphärischen Treibhausgase Rekordwerte erreicht haben und die Ozeane mehr als 90 Prozent der durch diese Gase gespeicherten überschüssigen Wärme absorbieren, spielt der thermische Zustand des Ozeans eine wichtige Rolle bei der Beeinflussung globaler und regionaler Klimaauswirkungen«, schreiben die Studienautoren. 

Sie nennen die Sturzflut in Texas im Juli 2025, einen extremen Monsun mit zum Teil 800 Millimeter Regen pro Quadratmeter in fünf Tagen in Süd- und Südostasien durch Zyklon Ditwah im November und Dezember sowie Hochwasser in Westafrika im August als Beispiele für extreme Wetterereignisse im vergangenen Jahr, die durch warme Ozeane begünstigt wurden. Zudem habe der Westen und Süden Europas zeitweise unter einer Hitzeglocke mit Temperaturen bis zu 48 Grad Celsius und zahlreichen Flächenbränden zu leiden gehabt.

Unter anderem auf Basis von drei Datenbanken mit Beobachtungsdaten fand das Team heraus, dass sich die Zunahme des Wärmeinhalts in den Ozeanen seit etwa 1990 verstärkt hat. Im Durchschnitt des Zeitraums 1960 bis 2025 ist der Wärmeinhalt in den oberen 2000 Metern der Weltmeere um 0,14 Watt pro Quadratmeter in zehn Jahren angestiegen. Im Zeitraum 2005 bis 2025 waren es 0,32 Watt pro Quadratmeter in zehn Jahren. 

2025 lag die globale Meeresoberflächentemperatur 0,49 Grad über dem Durchschnitt des Zeitraums 1981 bis 2010. Wie beim Wärmeinhalt sind auch die Oberflächentemperaturen regional unterschiedlich verteilt. So überstiegen sie im Nordwestpazifik teilweise um mehr als drei Grad den langjährigen Mittelwert. Im Nordatlantik und im Mittelmeer waren es mit bis zu 1,5 Grad über dem Mittel ebenfalls mehr als im weltweiten Durchschnitt. Der Nordatlantik und das Mittelmeer sind laut Studie zudem mit dem Klimawandel zusammenhängende Hotspots der Versalzung, des Sauerstoffmangels und der Versauerung. Dies zeige einen tiefgreifenden, komplexen Zustandswandel im Nordatlantik und im Mittelmeer, der deren Ökosysteme und die darin lebenden Organismen fragiler mache, heißt es in der Studie.

Auch die Nordsee zeigt Rekordwert im Klimawandel

Wie Messungen des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) zeigen, gab es 2025 auch in der Nordsee einen Rekordwert: Die mittlere Wassertemperatur an der Oberfläche betrug 11,6 Grad. Dies war der höchste Wert der BSH-Datenreihe seit 1969. Die Nordsee war damit im Vergleich zum langjährigen Mittel von 1997 bis 2021 um 0,9 Grad wärmer. 

In der Ostsee registrierte das BSH eine mittlere Oberflächentemperatur von 9,7 Grad. Das ist ein Anstieg von 1,1 Grad im Vergleich zum langjährigen Mittel (1997 bis 2021). Seit Beginn der entsprechenden BSH-Datenreihe im Jahr 1990 war 2025 das zweitwärmste Jahr für die Ostsee.

  • Quellen
Pan, Y. et al., Advances in Atmospheric Sciences 10.1007/s00376–026–5876–0, 2026

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