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Pflanzenökologie: Klimawandel treibt Ausbreitung der Stechpalme voran

Die immergrüne Stechpalme (Ilex aquifolium) hat in den letzten fünfzig Jahren zunehmend ihr Verbreitungsgebiet von Westeuropa nach Norden und Osten ausgebreitet und besiedelt mittlerweile sogar Bereiche Südschwedens, wo sie in historischer Zeit noch nicht nachgewiesen werden konnte. Verantwortlich dafür ist der globale Klimawandel, sichtbar an der Verschiebung der so genannten Null-Grad-Temperaturlinie, die anzeigt, dass es westlich und südlich davon im Januar nur selten zu Frösten kommt.

Belegen konnten Botaniker um Gian-Reto Walther von der Universität Hannover diese Arealausweitung der Pflanze, indem sie Daten aus dem Jahr 1944 mit aktuellen Nachweisen verglichen. Da zusammen mit den Standortenkarten von 1944 auch die Klimadaten nahe liegender Wetterstationen vorhanden waren, ließ sich ein sicheres Bild der damaligen klimaökologischen Situation im Verbreitungsgebiet der Stechpalme nachzeichnen. Die neueren Werte der jeweiligen Stationen sowie zusätzlich in den letzten Jahrzehnten hinzu gekommener Messpunkte zeigen, dass es über das gesamte Gebiet zu einem allmählichen Anstieg der durchschnittlichen Wintertemperaturen kam, den die Pflanzen für ihre Expansion nutzen.

Durch Untersuchungen der Baumringzahlen, der Größe und der Form von Ilex-Büschen neu entdeckter Standorte konnten die Wissenschaftler zudem beweisen, dass die Pflanzen nicht schon 1944 dort wuchsen, sondern sich tatsächlich erst später dort ansiedelten. Walther und seine Kollegen sehen in diesem Ausbreitungsverhalten eine Bestätigung gängiger Modelle zum Klimawandel, die eine solche Expansion Wärme liebender Pflanzenarten vorhersagen. Gleichzeitig prognostizieren sie eine weitere Ausdehnung von Stechpalmen-Beständen nach Polen und entlang der norwegischen Küste.

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