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Umwelt: Klimawandel verlängert Flugzeiten

Die Flugzeiten für eine Strecke unterscheiden sich oft marginal. Das könnte mit der Erderwärmung zusammenhängen. Sie sorgt dafür, dass Flüge insgesamt ein wenig länger dauern.
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Der Klimawandel könnte dazu beitragen, dass Linienflugzeuge in Zukunft ein wenig länger unterwegs sind, um Urlauber oder Geschäftsreisende an ihr Ziel zu bringen. Das berichten Forscher um Kristopher Karnauskas von der Woods Hole Oceanographic Institution in Massachusetts im Fachmagazin "Nature Climate Change". Die Wissenschaftler hatten sich die Flugdaten der vergangenen 20 Jahre von mehreren Airlines für die Strecke von Honolulu bis zu den Flughäfen in Los Angeles, San Francisco und Seattle an der US-amerikanischen Westküste vorgenommen. Dabei entdeckten sie, dass die Flugzeiten bei allen Luftfahrtunternehmen gleichermaßen Schwankungen unterworfen waren, die sich nicht durch unterschiedliche Unternehmensstrategien oder tagesabhängige Wetterbedingung erklären ließen.

Beim Abgleich der Flugzeiten mit mehreren Klima- und Wettermodellen stellten die Forscher schließlich fest, dass die Geschwindigkeit der Höhenwinde für den Großteil der Unterschiede verantwortlich war. Diese hängt in der Region unter anderem mit den Temperaturschwankungen im Pazifik nahe des Äquators zusammen, die durch den Klimawandel vermutlich verstärkt werden. Da die Winde auf Reiseflughöhe von Westen nach Osten blasen, wird der Flug von Hawaii zur Westküste kürzer, die umgekehrte Flugstrecke dagegen länger. Die Daten zeigen allerdings, dass sich dieser Effekt nicht vollkommen aufhebt: Benötigt man etwa in östlicher Richtung zehn Minuten weniger, fliegt man nach Westen elf Minuten länger – die gesamte Flugzeit nimmt also um eine Minute zu. Das mag zunächst nicht dramatisch klingen, könnte aber einer Hochrechnung von Karnauskas und Kollegen zufolge auf globaler Ebene in einen Teufelskreis führen: Verlängern sich sämtliche Flüge um eine Minute, würden Passagierflieger nach aktuellem Stand pro Jahr zusammen rund 300 000 Stunden länger in der Luft bleiben. Dafür bräuchten sie etwa eine Milliarde Gallonen mehr an Treibstoff, was umgerechnet Extrakosten von etwa drei Milliarden US-Dollar bedeuten und zehn Milliarden Kilogramm CO2 mehr in die Luft blasen würde. Das könnte weitere Temperaturanstiege begünstigen und somit die Luftzirkulation noch weiter verändern. Allerdings lassen sich die Wechselwirkungen zwischen Klimawandel und Flugverkehr auf globaler Ebene anhand der Daten von der US-amerikanischen Westküste nur schwer abschätzen, weil die Höhenwinde in verschiedenen Regionen auch unterschiedlich auf Temperaturveränderungen reagieren. Die Forscher wollen daher demnächst auch die Daten sämtlicher Flüge in den USA und in Europa in ihr Modell miteinbeziehen.

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