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News: Klone von Klonen von Klonen...

Wie bei den kleinen russischen Holzfiguren, wo die eine in der anderen steckt und doch alle fast gleich aussehen, so kann auch eine Maus aus der anderen hervorgehen - wenn man sie klont. Das gelang jetzt bis in die sechste Generation. Auf diese Weise wollten Wissenschaftler jetzt untersuchen, ob die geklonten Tiere genauso lebensfähig und genauso gesund sind wie ihre natürlich gezeugten Artgenossen. Im wesentlichen war das Vorhaben erfolgreich. Bis auf den Umstand, dass der mit großer Anstrengung gezeugte, einzige Klon der sechsten Generation leider seiner 'Ziehmutter' zum Opfer fiel: Sie fraß ihn auf, bevor er eingehend untersucht werden konnte.
Eine gründliche Analyse der Chromosomen des 'Kunstschafes' Dolly brachte vor kurzem die Vermutung auf, dass Klonen einen negativen Einfluß auf die Lebensfähigkeit von Tieren haben könnte. Seine als Telomere bezeichneten Schutzstrukturen an den Endungen der Chromosomen, waren viel kürzer als bei einem normalen Schaf. Daraus folgerten die Genforscher, Dolly würde nicht lange leben, oder sie würde vielleicht anfälliger für Krankheiten sein. Andere Studien haben dagegen gezeigt, dass geklonte Tiere auch viel längere Telomere haben können als gewöhnlich. Die Untersuchung von Teruhiko Wakayama und seinen Kollegen von der New Yorker Rockefeller University verfolgte jetzt diese Aspekte bis in die sechste Generation einer 'Mäusefamilie' (Nature vom 25. September 2000).

Dazu gingen die Wissenschaftler beim Klonen wie üblich vor: Sie setzten jeweils den Kern einer Donatorzelle, eine ausdifferenzierte Körperzelle einer erwachsenen weiblichen Maus, in eine Eizelle ohne genetische Information ein. Dadurch entstand ein Tier, dass dem Spender genetisch völlig gleicht. Schon vor zwei Jahren gelang es dem Team von Wakayama, vier Mäusegenerationen zu klonen. Nun erreichten sie sogar sechs Generationen, mussten dann jedoch feststellen, dass sie darüber nicht hinauskommen konnten. Ein auffälliger Makel der Klon-Mäuse scheint nämlich zu sein, dass die jüngeren Generationen immer schlechter zu klonen sind. Mit jeder weiteren Generation stieg die Schwierigkeit, Nachkommen zu erhalten, um ein bis zwei Prozent, bis in der sechsten Generation schließlich nur noch ein Mäusejunges gezeugt werden konnte.

Wakayama und seine Mitarbeiter überprüften zwei mögliche Erklärungen. Erstens könnten sich die Telomere in den Tieren beim Klonen verkürzt haben und dazu führen, dass die jüngeren Klon-Generationen immer weniger lebensfähig waren. Zweitens könnten die Gesundheit der Mäuse bei jeder weiteren Klon-Generation mehr und mehr abnehmen. Aber zu ihrem Erstaunen mussten die Wissenschaftler feststellen, dass keine ihrer Vermutungen zutraf. Denn tatsächlich wuchsen die Telomere der Klone mit jeder Generation leicht an. Ebenso schien die Gesundheit der geklonten Tiere nicht beeinträchtigt zu sein. Auch ihre Lernfähigkeit war normal: Sie konnten sich in Labyrinthen zurechtfinden und auch andere kognitive Tests bestehen. Weiterhin alterten die Klon-Mäuse wie andere, normale Mäuse auch: Eine Maus der fünften Generation hat bereits gesund und munter ein mittleres Alter von 18 Monaten erreicht. Bevor die Wissenschaftler feststellen konnten, ob auch der einzige Klon der sechsten Generation "normal" war, fraß seine "Ziehmutter" ihn auf.

Aufgrund der Schwierigkeit, mehrere Generationen hintereinander zu klonen, wollen die Wissenschaftler um Wakayama weiter nach dem noch nicht entdeckten Makel des Klonens suchen. Aus ihren Ergebnissen schließen sie, dass die Klon-Mäuse nach und nach irgendwelche bisher nicht bekannten Abnormalitäten ansammeln und diese dann vielleicht an die nächste Generation weitergeben. Auch Harry Griffin, vom Roslin Institute in Edinburgh, wo Dolly gezeugt wurde, teilt die Meinung, dass Klonen eine wenig erfolgreiche Sache ist. "Es kann sein, dass es eine Selektion von Zellen gibt, die in der Länge ihrer Telomere von der Norm abweichen", sagt er. Griffin hält es auch für möglich, dass es grundsätzlich Unterschiede zwischen verschieden Tierarten und Gewebetypen geben könnte. Er denkt jedenfalls nicht, dass die verkürzten Telomere von Dolly irgendeinen Einfluß auf ihre Lebenslänge haben. "Ihr geht es nach wie vor gut.", sagt er.

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