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Warschau: Königlicher Bauschmuck lag über 350 Jahre in der Weichsel

Königlicher Bauschmuck lag über 350 Jahre in der Weichsel

Dutzende Fragmente von marmornem Bauschmuck entdeckten polnische Archäologen im Zentrum von Warschau – und zwar mitten im Flussbett der Weichsel. Diese wurden im Schwedisch-Polnischen Krieg Mitte des 17. Jahrhunderts aus den Räumen des damaligen königlichen Schlosses von Warschau geraubt und anschließend auf dem Wasserweg abtransportiert. Wie die Forscher auch herausfanden, waren dabei aber einige Schiffe untergegangen.

Mit schwerem Gerät
Mit schwerem Gerät … | … bargen die Archäologen zirka 70 Architekturteile aus der Weichsel. Das schwerste wog rund 720 Kilogramm.

Ein Team um den Archäologen Hubert Kowalski von der Universität Warschau sowie den Wissenschaftsjournalisten Marcin Jamkowski konnte mit Hilfe von Tauchern und Lastkränen etwa fünf Tonnen Marmor aus dem Fluss bergen. Eines der Bruchstücke zeigt das Wappen der polnischen Königsdynastie der Wasa (1587–1668) und entstand nach Ansicht der Forscher um 1610. Es stammt wahrscheinlich aus der Villa Regia, dem Schloss, das König Sigismund III. Wasa zwischen 1637 und 1641 dort errichten ließ, wo heute der Kazimierz-Palast steht. Vor der Bergung hatten die Wissenschaftler die kostbaren Bauteile mittels Sonar und Echolot in der trüben Weichsel zwischen Steinen, Reifen und Zäunen aufgespürt.

Die Suche nach der Beutekunst begann schon 2009 im Stadtarchiv von Warschau. Lange war bekannt, dass die schwedischen Truppen, nachdem sie 1655 in Polen eingefallen waren, zahlreiche Schlösser und Kirchen geplündert hatten. In den Akten konnten die Forscher nun aber vermehrt Hinweise darauf finden, dass Schiffe überladen wurden und mitsamt der geraubten Kunstwerke auf den Grund der Weichsel sanken.

Den Marmorgiebel
Den Marmorgiebel … | … ziert das Wappen des polnischen Königshauses Wasa. Die Forscher datieren den Bauschmuck aus der ehemaligen Villa Regia in Warschau um das Jahr 1610.

1906 war man bereits bei Grubenarbeiten entlang des Flussufers auf Bauteile sowie die Marmorstatue eines Adlers gestoßen, die wegen ihres enormen Gewichts jedoch nicht gehoben werden konnte. Bis 2011 waren keine weiteren Versuche mehr unternommen worden, die 350 Jahre alte Beutekunst aus dem Königsschloss zu lokalisieren oder gar zu bergen.

Infolge der Besetzung Polens 1655 fiel auch die Villa Regia der Wasa-Dynastie den Plünderungen der Schweden zum Opfer. Sie war mit vergoldeten Decken, aufwändigen Tür- und Fensterrahmungen sowie Skulpturen aus Marmor ausgestattet. Auf Befehl des schwedischen Königs Karl X. Gustav wurde der kostbare Bauschmuck abgenommen und auf Schiffe verladen, die dann die Weichsel abwärts nach Danzig fuhren und von dort nach Schweden übersetzten.

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