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News: Können Fieberkrämpfe bei Kindern das Gehirn schädigen?

Unter Wissenschaftlern wird immer wieder diskutiert, ob lang andauernde Fieberkrämpfe bei Kindern zu Epilepsie im Erwachsenenalter führen können. Bei jungen Ratten wurde jetzt festgestellt, daß sich durch die Krampfanfälle die Aktivität bestimmter Nervenzellen im Gehirn verändert. Die betroffenen Gehirnregionen sind bei Menschen mit einer Form von Epilepsie geschädigt.
In der August-Ausgabe von Nature Medicine berichten Tallie Z. Baram, Ivan Soltesz und Kang Chen vom University of California College of Medicine in Irvine, daß sie bei jungen Ratten nach Fiebern mit heftigen Krämpfen langfristige Veränderungen in bestimmten Nervenzellen im Gehirn beobachten konnten. Sie schließen daraus, daß eventuell auch bei Kindern, die heftige und vor allem länger andauernde Fieberkrämpfe haben, ähnliche Veränderungen auftreten können. Eine Spätfolge davon könnte ihrer Ansicht nach sein, daß diese Menschen als Erwachsene anfälliger für epileptische Krämpfe sind.

Die Forscher hatten bei den Ratten die Körpertemperatur erhöht, bis die Tiere Krampfanfälle bekamen. Sie wollten damit Anfälle simulieren, die manchmal Kinder mit hohem Fieber schütteln. Die Krämpfe steigerten die Aktivität von Nervenzellen im Hippocampus, einem Teil des Gehirns, der bei Erwachsenen mit Temporallappen-Epilepsie geschädigt ist und eine wichtige Funktion für das Gedächtnis hat. Die betroffenen Nervenzellen schütten normalerweise den inhibitorischen Neurotransmitter Gamma-Amino-Buttersäure (GABA) aus und bilden ein großes Netz, das die Zellaktivität in dieser Gehirnregion reguliert. In ihren Versuchen entdeckten die Wissenschaftler, daß die Aktivität von inhibitorischen Nervenzellen, die von GABA reguliert werden, nach den Krämpfen deutlich anstieg. Diese Steigerung zeigte sich auch noch bei ausgewachsenen Tieren.

"Es wird immer wieder diskutiert, ob länger andauernde Fieberkrämpfe bei Kindern im Erwachsenenalter Epilepsie verursachen können", sagt Baram. "Während es Hinweise gibt, daß die Krämpfe keine anatomischen Schäden verursachen, so haben wir jetzt doch Anzeichen dafür, daß sie – zumindest bei Tieren – permanente Veränderungen in der Art und Weise, wie das Gehirn arbeitet, verursachen können."

Baram und Soltesz untersuchen nun, wie das Gehirn auf diese Veränderungen reagiert, und ob die Ergebnisse auf den Menschen übertragbar sind.

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