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News: Können große Erdbeben sich über den ganzen Globus ausbreiten?

Früher glaubte man, ein Erdbeben sei ein isoliertes Ereignis, das nur eine bestimmte Verwerfung betrifft und sich nicht auf andere Regionen auswirkt. Jetzt hat eine Gruppe Geophysiker die These aufgestellt, daß große Beben Jahrzehnte später andere Beben in Tausenden von Kilometern Entfernung auslösen können.
Schon früher haben Forscher einen möglichen Übertragungsweg für die Kommunikation zwischen Verwerfungen gefunden: die Asthenosphäre, eine dünne Schicht weicher aber fester Felsen in Tiefen von 80 km oder mehr. Die tektonischen Platten gleiten auf der weichen Asthenosphäre, doch an ihren Rändern bleiben die Platten aneinander hängen. Es bauen sich Spannungen auf, die schließlich mit einem Erdbeben relaxieren. Zwischen 1952 und 1965 gab es entlang der Aleuten und der Kamschatka-Halbinsel vier große Erdbeben. In dieser Region taucht die pazifische Platte unter die nordamerikanische. Jedes der Beben löste Veränderungen der darunterliegenden Asthenosphäre aus, die sich in kleinen Wellen nach außen fortsetzten. Diese Wellen könnten die durch die Beben ausgelöste Spannung übertragen.

Nach einem Modell der Geophysiker Fred F. Pollitz und Roland Bürgmann von der University of California in Davis und der Seismologin Barbara Romanowicz von der University of California in Berkeley bewegten sich die Spannungswellen der großen Erdbeben im Nordpazifik südwärts, bis sie schließlich in den achtziger Jahren eine Reihe von Beben in der Gegend von British Columbia bis nach Südkalifornien auszulösten (Science vom 22. Mai 1998). Im Norden könnte die Welle für Erschütterungen verantwortlich sein, die sich in den siebziger Jahren im nördlichen Eismeer ereignet haben. Die gute Übereinstimmung der Modelldaten mit den tatsächlichen Ereignissen deutet nach Meinung von Pollitz und seiner Kollegen darauf hin, daß die Spannungswellen wirklich Auslöser der späteren Erdbeben waren.

Die Ansichten der Geowissenschaftler sind geteilt. Einige können sich durchaus einen globalen Zusammenhang vorstellen, doch andere glauben, daß die Korrelation der Welle mit einer Häufung seismischer Aktivitäten reiner Zufall sein könnte. Klärung könnten Messungen verschaffen, die subtile Verformungen der Erdkruste aufzeichnen. Damit ließe sich überprüfen, wann die wellenbedingte Spannung Kalifornien im Laufe des nächsten Jahrzehnts wieder verläßt.

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