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News: Können Viren Schizophrenie verursachen?

Schizophrenie ist vermutlich vererbbar, die tatsächliche Ursache ist aber immer noch ungeklärt. Eventuell spielt auch ein Virus mit: Die Krankheit tritt häufig bei Menschen auf, deren Mütter in den ersten Monaten der Schwangerschaft womöglich eine Infektion mit Enteroviren hatten. Zu diesen Viren, die den Magen- und Darmtrakt befallen, gehört auch das Poliovirus, das Kinderlähmung hervorrufen kann.
In vielen Ländern ging nach der Einführung von Polio-Schutzimpfungen die Zahl von Schizophrenie-Erkrankungen zurück. Außerdem tritt Schizophrenie häufiger bei Menschen auf, die im Winter oder Frühjahr geboren sind. Ihre Mütter waren demnach im Spätsommer oder Frühherbst etwa im vierten Monat schwanger – in der Zeit, wenn Polioepidemien ihren Höhepunkt erreichen. Der Zusammenhang zwischen den beiden Krankheiten ist womöglich sogar noch enger als es die Zahlen ausdrücken.

Polioepidemien – auch die schlimmsten der fünfziger Jahre – breiteten sich langsam von einem geographischen Gebiet zum anderen aus. Janna Suvisaari und ihre Kollegen vom National Public Health Institute in Helsinki nutzten daher das finnische Bevölkerungsverzeichnis, um das Auftreten paralytischer Poliomyelitis von 1951 bis 1969 Region für Region und Monat für Monat zu bestimmen. Dann verglichen sie diese Daten mit den Geburtsorten und -tagen von Schizophrenie-Kranken, die in den entsprechenden Jahren geboren wurden.

Der Bericht der Wissenschaftler in der Juli-Ausgabe des American Journal of Psychiatry (Volltext) zeigt, daß die meisten der später an Schizophrenie Erkrankten von Müttern geboren wurden, die mit hoher Wahrscheinlichkeit im vierten Monat ihrer Schwangerschaft dem Poliovirus ausgesetzt waren. Sie schreiben, daß "die Auswirkung von Polio im Verlaufe des gesamten zweiten Trimesters – also der Monate vier, fünf und sechs – signifikant war."

Allerdings kann man heute kaum nachweisen, ob eine bestimmte Person damals von dem Virus tatsächlich betroffen war. Außerdem, gibt Suvisaaris Gruppe zu, "ist die Anzahl der Fälle von paralytischer Polio kein direktes Maß für das Auftreten von Poliovirus-Infektion bei schwangeren Frauen." Paralytische Symptome entwickeln sich je nach Alter, Immunität und der Art des Virus in weniger als einem Prozent der Infizierten und gewöhnlich nach einer Inkubationszeit von bis zu einem Monat.

Trotzdem passen diese Ergebnisse zu zahlreichen anderen Hinweisen, welche die Bedeutung der mittleren drei Monate der neuralen Entwicklung im Zusammenhang mit Schizophrenie betonen. Die Forscher kommen zu dem Schluß, daß diese Studie "auf die Notwendigkeit weiterer Studien zum Zusammenhang von Enteroviren und Schizophrenie hinweist." Idealerweise sollten sich künftige Studien auf Personen konzentrieren, die während der Schwangerschaft Enterovirus-Infektionen ausgesetzt waren.

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