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Leistungsmessung: Könnten Schulen auf viele Prüfungen verzichten?

Testergebnisse verraten kaum mehr über spätere Examensnoten von Schülerinnen und Schülern als die persönliche Einschätzung durch Lehrende.
Ein kleines Mädchen schreibt an einem alten Pult in ein HeftLaden...

Manche Prüfung in der Schule müsste nicht sein, zumindest wenn es darum geht, daraus auf künftige Leistungen in Englisch, Mathematik und Naturwissenschaften zu schließen – denn die lassen sich aus den Urteilen von Lehrkräften ebenso gut vorhersagen. Zu diesem Schluss gelangt ein Team um Kaili Rimfeld vom King’s College London anhand einer Längsschnittstudie im »Journal of Child Psychology and Psychiatry«.

Die Untersuchung fußt unter anderem auf Daten von mehr als 5000 Zwillingspärchen im Alter von 7 bis 18 Jahren aus der landesweiten britischen Schuldatenbank. Im Vereinigten Königreich absolvieren Kinder mit 7 und mit 11 Jahren je einen großen standardisierten Test, den SAT, und darüber hinaus werden sie von ihren Lehrerinnen und Lehrern regelmäßig beurteilt. Im Alter von 16 Jahren folgen die Prüfung für den mittleren Bildungsabschluss (General Certificate of Secondary Education) und mit 18 das britische Abitur (Advanced Certificate of Secondary Education). Der vorliegenden Studie zufolge ließen sich rund 90 Prozent der Unterschiede in diesen Examensnoten allein anhand der Beurteilung durch die Lehrkräfte vorhersagen; frühere Testergebnisse brachten kaum zusätzliche Informationen.

Zwar dürften die Leistungen in den Tests in die Einschätzungen der Lehrenden einfließen und somit einen Teil von deren Aussagekraft bedingen. Dennoch befürchten Rimfeld und ihre Kollegen, dass die Vorteile von Tests deren Nachteile nicht aufwiegen, unter anderem einen vermehrten Fokus weg vom eigentlichen Lernen hin zu Prüfungsleistungen. »Wir sprechen uns nicht grundsätzlich gegen Tests aus«, wird Rimfeld in einer Pressemitteilung zitiert. Doch die Studie zeige, dass man besonders in den ersten Schuljahren die Zahl der Tests reduzieren und stattdessen auf Urteile von Lehrkräften zurückgreifen könne.

20/2019

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 20/2019

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