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News: Kohlendioxidfalle Regenwald

Infolge der zunehmenden Kohlendioxidkonzentrationen in der Atmosphäre steiern Pflanzen ihre Produktivität. Das Treibhausgas wirkt wir Dünger und so könnten die tropischen Urwälder der Atmosphäre einen bedeutsamen Teil entziehen. Vielleicht sind es die Sünden des Menschen, die schließlich doch noch das Überleben der Regenwälder sichern.
Wenn Sie diesen Text gelesen haben, ist die Erde wieder um 40 Hektar Regenwald ärmer - das sind fast 100 Fußballfelder. Allein der Brandrodung fällt im Amazonasgebiet in jedem Jahr eine Fläche größer als Schleswig-Holstein zum Opfer. Dabei könnten die Regenwälder letzte Ausflucht vor dem bedrohlichen Klimawandel sein, denn für sie ist Kohlendioxid, was für uns der Sauerstoff. Steigende CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre sind gleichsam Dünger für die Pflanzen.

Nach ihrem Absterben wird das Kohlendioxid bei dem mikrobiellen Abbau der organischen Substanz allerdings wieder freigesetzt, so dass die Kohlenstoffbilanz insgesamt und langfristig ausgeglichen ist. Jeffrey Chambers vom Department of Earth System Science der University of California in Irvine und seine Mitarbeiter haben dennoch Gutes zu vermelden. In einem mathematischen Modell kombinierten sie Langzeitbeobachtungen der Lebenszyklen von Bäumen im amazonischen Regenwald, Radiokarbon-Datierungen und Bestandsdichte. Dabei modellierten sie ein Szenario, bei dem die Verdopplung der Kohlendioxidkonzentrationen in der Atmosphäre zu einer Vergrößerung der Blattoberflächen von 25 Prozent führt. Viele Forscher gehen davon aus, dass dies bereits innerhalb der nächsten 100 Jahre geschieht.

Wie erwartet, stieg die Produktivität auch in der numerischen Simulation. Doch auch nachdem sie - aus unterschiedlichen Gründen - nicht weiter ansteigt, bauen die Bäume auch lange danach verstärkt Kohlenstoff ein. Der Grund liegt darin, dass die Einstellung eines neuen Gleichgewichts zwischen CO2-Aufnahme und Blattoberfläche nicht innerhalb der Lebenszeit eines Baumes erfolgen kann. Und da deren Durchschnittsalter im Amazonasgebiet bei rund 175 Jahren liegt, gehen die Forscher davon aus, dass die dortigen Waldbestände der Atmosphäre noch für wenigstens ein weiteres Jahrhundert mehr Kohlendioxid entziehen können, als infolge des Absterbens alter Bäume wieder freigesetzt wird.

Die Forscher hoffen deshalb, dass diese Erkenntnis auch Auswirkungen auf die Vereinbarungen zum Klimaschutz hat, die 1997 im Rahmen der UN-Klimarahmenkonvention in Kyoto getroffen wurden und spätestens 2002 in Kraft treten müssen. Das Protokoll sieht erstmals rechtlich verbindliche Verpflichtungen für die Industrieländer vor, ihre Treibhausgas-Emissionen in der Zeit von 2008 bis 2012 insgesamt um 5,2 Prozent gegenüber dem Niveau von 1990 zu reduzieren. Bleibt zu hoffen, dass die Regenwälder vielleicht aus diesem Grund Beistand aus aller Welt bekommen, denn Schutz hätte er längst verdient - und zwar nicht nur, weil er uns die CO2-Sünden vergeben könnte.

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  • Quellen
Nature 410: 429 (2001)

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