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Kollektive Intelligenz: Die Koordination ist entscheidend

Wer erledigt was? Diese Frage ist für die Arbeit in der Gruppe am wichtigsten. Frauen spielen dabei offenbar eine besondere Rolle.
Eine Gruppe von Tänzerinnen im GleichtaktLaden...

Was hilft einer Gruppe mehr beim gemeinsamen Aufgabenlösen – individuelle Fähigkeiten oder die Zusammenarbeit im Team? Das hat eine Forschungsgruppe um Christoph Riedl, Professor für Informationssysteme an der Northeastern University in Boston, jetzt in einer Metaanalyse untersucht. Ihr Ergebnis: »Im Ganzen ist die Zusammenarbeit in der Gruppe für die kollektive Intelligenz wichtiger als die Fähigkeiten der einzelnen Mitglieder.«

Die Daten stammten von 1356 Teams mit insgesamt rund 5000 Personen. Teils fanden die Versuche online statt, teils vor Ort; teils arbeiteten die Teams bereits zusammen, teils lernten die Mitglieder einander erst durch die Studie kennen. Bei den meisten handelte es sich um Studierende in den USA sowie weitere Stichproben aus der US-Bevölkerung. Unter Zeitdruck sollten die Versuchspersonen mehrere Aufgaben gemeinsam lösen, zum Beispiel originelle Verwendungsmöglichkeiten für einen Backstein finden oder komplizierte Texte gleichzeitig in dasselbe Dokument eintippen.

In ihrer Metaanalyse suchten die Forschenden nach Voraussetzungen für eine gute Teamleistung. Als am wichtigsten erwies sich demnach die gemeinsame Strategie, Anstrengung und Koordination. Diese Gruppenprozesse machten etwa die Hälfte der kollektiven Leistung aus, fast doppelt so viel wie die individuellen Fähigkeiten der Mitglieder. Allein bei Sudokus waren Letztere bedeutsamer als die eigentliche Teamarbeit.

Einen kleinen Beitrag leistete auch die Zusammensetzung der Teams. »Frauen in der Gruppe steigern die kollektive Intelligenz«, sagt Koautorin Anita Williams Woolley von der Carnegie Mellon University in Pittsburgh in einer Pressemitteilung ihrer Hochschule. Schon aus früheren Studien schloss die Organisationsforscherin, dass kollektive Intelligenz von Frauen profitiere. Gruppen mit höherem Frauenanteil beschäftigten sich beispielsweise vermehrt mit Koordinationsaufgaben, etwa die Mitglieder ihren Fähigkeiten gemäß einzusetzen.

Ob die Gruppen online oder vor Ort zusammenkamen und ob sich die Beteiligten schon kannten, spielte laut der vorliegenden Studie kaum eine Rolle bei der Frage, welche Voraussetzungen entscheidend zur kollektiven Intelligenz beitrugen. »Im Ganzen sind die Ergebnisse sehr ähnlich«, schreiben Riedl und seine Kollegen.

Zwei Unterschiede fanden sie allerdings: Zum einen förderte vermehrte Anstrengung zwar grundsätzlich die Leistung, doch weniger bei den neu formierten Gruppen. Vermutlich komme es bei ihnen noch mehr darauf an, die verschiedenen Fähigkeiten zu erkennen und zu koordinieren, mutmaßen die Forschenden. Zum anderen waren die Fähigkeiten der Mitglieder für die Online-Teams bedeutsamer als für die Teams vor Ort. »Das könnte bedeuten, dass die Online-Kommunikation Gruppenprozesse einschränkt und die Last mehr auf individuelle Fähigkeiten verlagert.«

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