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Kometensonde Rosetta: Komet Tschuri ist homogen aufgebaut

Trotz der bizarren Form und der bröckeligen Oberfläche von 67P/Tschurjumow-Gerasimenko weisen Schwerefeldmessungen auf einen erstaunlich homogenen Himmelskörper hin. Seine niedrige mittlere Dichte belegt ein sehr poröses Objekt mit einem Porenvolumen von bis zu 74 Prozent.
67P/Tschurjumow-Gerasimenko am 21. September 2015Laden...

Ein Forscherteam um Martin Pätzold an der Universität zu Köln nutzte die Umlaufbewegungen der europäischen Kometensonde Rosetta im Schwerefeld des Kometen 67/Tschurjumow-Gerasimenko, um die Masse und den inneren Aufbau des Himmelskörpers zu bestimmen. Trotz des bizarren Aussehens und der zerklüfteten Oberfläche mit zahlreichen Brocken ist 67P ein erstaunlich homogen aufgebauter Himmelskörper. Für ihre Untersuchungen werteten die Forscher Umlaufbahnen im Abstandsbereich von 10 bis 100 Kilometern aus.

Komet 67P am 27. Januar 2016 (Aufnahme der Kamera OSIRIS)Laden...
Komet 67P am 27. Januar 2016 | Aus einer Entfernung von 72 Kilometer nahm die wissenschaftliche Kamera OSIRIS an Bord der Kometensonde Rosetta die Oberfläche des Kerns des Kometen 67P auf. Die räumliche Auflösung beträgt 1,3 Meter pro Bildpunkt.

Aus den Messungen lässt sich ableiten, dass der Kern von 67P eine Gesamtmasse von 9 982 000 Tonnen aufweist. Dividiert durch das Gesamtvolumen des Himmelskörpers, das mittels stereoskopischer Auswertungen der zahlreichen Bilder von Rosetta ermittelt wurde, ergibt sich eine mittlere Dichte von 0,533 Gramm pro Kubikzentimeter. Genauere Auswertungen der Bahnverläufe belegen zudem, dass das Innenleben des Kometenkerns offenbar sehr homogen ohne größere Hohlräume ist. Das Porenvolumen beträgt zwischen 72 und 74 Prozent, ähnlich wie beim Kern des Kometen 9P/Tempel 1, der von den Raumsonden Deep Impact und Stardust im raschen Vorbeiflug erkundet wurde.

Die sehr dunkle Farbe – 67P ist etwa so hell wie ein Stück Steinkohle – geht auf die Beimengungen großer Mengen an kohlenstoffhaltigem Staub zurück. Die Forscher um Pätzold vermuten ein Mischungsverhältnis von Staub zu Eis im Volumen von rund zwei zu eins. Das Massenverhältnis von Staub zu Eis beträgt rund vier zu eins. Die Ergebnisse von Pätzold und seinen Koautoren decken sich mit den Messungen mit dem Instrument CONSERT, das mit langwelligen Radiowellen zusammen mit der Landesonde Philae den Kometenkern "durchleuchtete". Aus ihnen ergab sich für den kleineren Teilkörper von 67P eine Porosität von 75 bis 85 Prozent und die Feststellung, dass 67P bis in einen Größenbereich von drei Metern homogen ist.

05/2016

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 05/2016

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