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News: Komplizierte Fremdsprachen

Wissenschaftler untersuchen Kleinkinder auf ihre Strategien beim Erlernen der Muttersprache. Erste Ergebnisse weisen auf eine vererbte Fähigkeit zum Erlernen von Sprachen hin.
Psycholinguisten der Universität Potsdam unter Leitung von Professor Jürgen Weissenborn gehen der Frage nach, wie Kinder ihre Sprache erwerben. Erstmals untersuchen sie dazu Babys zwischen sechs und 22 Monaten – Kinder, die selbst noch gar nicht sprechen können. "Wir bieten den Kindern über Lautsprecher Sprache an und beobachten, wie sie darauf reagieren", schildert die Linguistin Barbara Höhle. Die Kinder erhalten von jeweils links oder rechts den Sprachreiz. Dabei messen die Forscher die Dauer, in der das Kind sich dem Lautsprecher zuwendet. "Die Kinder drehen den Kopf beispielsweise länger zur Muttersprache hin als zu einer Fremdsprache," berichtet Höhle.

Untersuchungen belegen, daß die wichtigsten grammatikalischen Eigenschaften bis zum dritten Lebensjahr erworben werden. Dabei reagieren schon die Jüngsten auf falsche Wortsetzungen mit Unbehagen – auch wenn sie es noch nicht artikulieren können. Dazu Weissenborn: "Sie hören länger auf Sätze mit korrekter Wortstellung als auf inkorrekte Sätze."

Bislang waren Wissenschaftler davon ausgegangen, daß Kinder dieses Alter nicht in Lage seien, derart komplexe Strukturen überhaupt erkennen zu können. Die Ergebnisse decken sich mit Forschungen aus England und Frankreich: Die Fähigkeit, eine oder mehrere Sprachen zu erwerben, scheint – unabhängig von der Intelligenz – angeboren zu sein. "Es müssen bei den Kindern sehr flexible Strukturen im Gehirn existieren, die dieses mühelose Lernen ermöglichen", meint Weissenborn. Fest steht dagegen, daß Sprachen nach dieser Phase mühevoll gepaukt werden müssen.

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