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Pawlowsche Tigermücken: Wie Mücken lernen, Insektenschutzmittel zu lieben

Der Wirkstoff DEET gilt als Goldstandard der Insektenabwehr. Doch Experimente mit Tigermücken zeigen, dass die Tiere ihre Aversion überwinden können – und im Anschluss sogar von dem Mittel angezogen werden.
Eine Person sprüht Insektenschutzmittel aus einer gelben Sprühdose großzügig auf ihren Arm.
Um sich bestmöglich vor Bissen und Stichen zu schützen, sollten Insektenabwehrmittel bei längeren Aufenthalten im Freien regelmäßig aufgefrischt werden.

Für weibliche Stechmücken verströmen Warmblüter wie wir einen unwiderstehlichen Duft. Insektenschutzmittel verdecken die anziehenden Geruchsnoten und hüllen uns in einen für die Moskitos unangenehmen Duftmantel. Dass der keineswegs unüberwindbar ist, zeigt die Studie eines Forschungsteams um Claudio Lazzari von der französischen Universität François-Rabelais Tours. Sie brachten Ägyptischen Tigermücken (Aedes aegypti) bei, den Geruch des Mückenspray-Wirkstoffs DEET nicht mehr zu fürchten. Die Insekten lernten sogar, ihn mit Nahrung zu verbinden.

Um ihre Versuchstiere an die Chemikalie zu gewöhnen, steckten die Fachleute Mücken einzeln in kleine Röhren. Über ein Ventil konnten sie Insektenabwehrmittel einspeisen, und zwar in der Nähe einer Blutmahlzeit. Die Moskitos hatten im Apparat 30 Sekunden Zugriff auf das Häppchen, wobei sie in den letzten zehn Sekunden beim Fressen mit DEET benebelt wurden. Nach nur vier derartigen Trainingsdurchläufen scheuten die Tigermücken den Wirkstoff nicht mehr. Im Gegenteil, der Geruch versetzte sie nun sogar in einen Blutrausch. Mehr als die Hälfte bewegten sich im Anschluss aktiv auf die DEET-Quelle zu, verglichen mit rund einer von sechs untrainierten Mücken.

Noch deutlicher äußerte sich der Unterschied, als die Forschenden den Stechmücken zwei Hände zur Auswahl gaben, von denen eine mit einer kleinen Menge DEET besprüht worden war. 100 Prozent der nicht trainierten Individuen wählten die unbehandelte Hand, die trainierten zog es dagegen eher zur behandelten. Offenbar hatten die Moskitos gelernt, den Gestank zu ignorieren, weil sie inzwischen wussten, dass darunter ein Leckerbissen auf sie wartete – etwa so, wie es Menschen mit der stinkenden Durianfrucht geht. Das Team verwies in der Publikation auf Parallelen mit den berühmten Experimenten von Pawlow, der Hunde mittels Glockenbimmeln zum Sabbern brachte.

Doch was bedeutet das für die Praxis? Den Fachleuten zufolge sollte man darauf achten, ob die Blutsauger sich bereits auf Menschen im Umfeld gestürzt haben. Speziell wenn jemand gebissen wurde, der sich Stunden zuvor mit DEET eingesprüht hat, verbinden die Insekten den Duft zumindest in niedriger Intensität womöglich schon mit frischem Blut. Dann sollte man den Schutz möglichst schnell erneuern, um wieder abschreckend genug zu wirken – oder sich in Innenräumen oder unter Moskitonetzen in Sicherheit bringen.

  • Quellen

Lazzari, C.R. et al., Journal of Experimental Biology 10.1242/jeb.251935, 2026

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