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Konfliktgespräche: Warum es sich lohnt, genau hinzuhören

Wächst ein Paar unter Stress zusammen, oder entfernen sich die Partner voneinander? Das zeigt sich darin, wie sie miteinander diskutieren.
Eine Frau und ein Mann sitzen auf einem Sofa in einem Wohnzimmer und führen ein Gespräch. Die Frau trägt eine orangefarbene Jacke und schaut aufmerksam zu, während der Mann gestikuliert. Im Hintergrund sind Bücherregale, Pflanzen und eine Kommode mit Dekorationen zu sehen. Die Szene vermittelt eine entspannte und häusliche Atmosphäre.
Kleine Worte können einen großen Unterschied machen.

Das gemeinsame Konto ist leer, die berufliche Zukunft unsicher, ein Kind chronisch krank: Stressfaktoren gibt es in nahezu jeder Partnerschaft. Wie gut Paare damit umgehen, offenbart sich in bestimmten Merkmalen ihrer Konfliktgespräche – und konkret in einer Reihe von unscheinbaren Wörtern. Zu diesem Ergebnis kommt ein Forschungsteam um die Kommunikationswissenschaftlerin Veronica Wilson von der University of California in Santa Barbara in der Fachzeitschrift »Journal of Language and Social Psychology«. Manche Worte und Wendungen sprächen eher für eine belastbare Partnerschaft, andere wiederum eher für ein strapaziertes Verhältnis.

Für ihre Analyse griffen die Forschenden auf Aufzeichnungen aus zwei Studien zurück, in denen Paare jeweils rund zehn Minuten über ein gemeinsames Problem sprachen. Bei der einen Studie sollten 60 Ehepaare auf dem heimischen Sofa über die chronische Erkrankung ihres Kindes reden, bei der anderen gut 100 Paare in einem als Wohnzimmer eingerichteten Labor über ihre größte gemeinsame Stressquelle diskutieren. Anschließend gaben alle per Fragebogen Auskunft über ihre Beziehung – unter anderem darüber, wie zufrieden, einsam und erschöpft sie sich fühlten und wie viel Nähe und Unterstützung sie erlebten. Eine Sprachsoftware bestimmte anhand der Gesprächsprotokolle sprachliche Merkmale wie die häufigsten Wörter und Wendungen, die Komplexität der Sätze und die Länge der Redebeiträge.

Als negative Signale erwiesen sich Wörter, die Pflichten oder Zwänge ausdrückten (»have to«): Wenn sie sich häuften, äußerten sich Männer wie Frauen negativer über die Beziehung. Bei Frauen zählten dazu außerdem noch Ausdrücke des Sorgens und Kümmerns, wie »take care«. Ähnlich ungünstig schnitten ablehnende, distanzierende und unsichere Worte ab: »whatever«, »probably«, »would«, »could«, »I don't think«, »I don't want to«, »I don’t know«. Sie waren vor allem bei Männern ein schlechtes Zeichen. Und auch bei langen Äußerungen oder verschachtelten Sätzen war die Beziehung stärker belastet.

Ein gutes Zeichen für die Qualität der Beziehung waren dagegen kurze, bestätigende Einwürfe wie »yeah«, »sure«, »right«, »really« und »good«. Wer sich häufig so äußerte, fühlte sich nach eigener Auskunft zufriedener, weniger einsam und mehr unterstützt. Ebenfalls günstig: wenn Männer Gefühle offenbarten (»I feel like«) und wenn Frauen von Gemeinsamkeiten sprachen (»together«). Erstaunlicherweise zählten auch die negativ konnotierten Begriffe »hard«, »stress« und »stressful« zu den positiven Signalen. Die Belastung beim Namen zu nennen, schade offenbar nicht, sondern stärke im Gegenteil sogar die Beziehung, spekuliert die Gruppe um Wilson.

Ein emotionales Polster für Konfliktgespräche

Das Team sieht damit eine Theorie bestätigt, derzufolge eine zugewandte Kommunikation ein emotionales Polster bildet. Eine Sprache dagegen, die auf Pflichtgefühl, Unsicherheit und emotionale Distanz schließen lasse, zehre dieses Polster auf. Die Ausdrucksweise wäre demnach nicht bloß ein Spiegel der Beziehung, sondern könne diese auch stärken oder schwächen.

So plausibel das klingt: Die Studie selbst sagt nichts über Ursache und Wirkung aus. Zudem zählt die verwendete Software Worthäufigkeiten, ohne den Sinnzusammenhang und den Tonfall zu berücksichtigen. Das Wort »Problem« etwa ging in der Studie stets in gleicher Weise in die Statistik ein, egal ob jemand das betreffende Problem als lösbar oder unlösbar darstellte. Untersucht wurden überdies allein englischsprachige heterosexuelle Paare aus den USA. Die Listen der »guten« und »schlechten« Wörter sollten daher nicht als universelles Diagnosewerkzeug für Konfliktgespräche dienen – vielleicht aber als Anstoß, die eigenen Worte mit Bedacht zu wählen.

  • Quellen

Wilson, V. et al., Journal of Language and Social Psychology 10.1177/0261927X261467425, 2026

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