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Spieltheorie: Konkurrenz belebt das Gefühl

Geld regiert die Welt des modernen "Homo oeconomicus". Die Zahl auf dem Gehaltsscheck bewertet das Geleistete und symbolisiert für viele heutzutage eine Messlatte für Anerkennung und Prestige. Deshalb verknüpfen wir die eigene Zufriedenheit häufig mit der Dicke unseres Portemonnaies - und dem unserer Kollegen.
Geld als Anreiz
Der neue Sportwagen des Nachbarn, das teure Abendkleid der Freundin oder der hochauflösende Plasmafernseher des Arbeitskollegen gelten als Zeichen für Erfolg und großzügige Entlohnung – und nicht selten als ein guter Grund für neidvolle Gedanken. Indem wir uns mit anderen messen, bewerten wir unsere eigenen Leistungen und ordnen uns im menschlichen Sozialgefüge ein. Die Erfahrung, dass dieser vergleichende Seitenblick auf Mitstreiter sowohl motivieren als auch frustrieren kann, hat sicher jeder schon einmal gemacht.

Doch Wirtschaftstheoretiker und Verhaltensforscher diskutieren immer noch seit Jahren darüber, in wie weit der Wettbewerb mit anderen unser Wohlbefinden beeinflusst. Nach der traditionellen Meinung der Ökonomen entscheidet allein die Höhe der Belohnung und nicht der Vergleich mit Konkurrenten darüber, ob ein Teilnehmer erhobenen oder gesenkten Hauptes den Ort des Wettstreits verlässt. Nach diesem Modell spielt es somit keine Rolle, wie viel die Konkurrenz als Lohn für ihre Leistungen eingestrichen hat.

Hart angefochten wird diese Theorie von Kennern der menschlichen Psyche: Verhaltensforscher und Psychologen sehen die soziale Konkurrenz als ein zentrales Phänomen, das die menschlichen Gemeinschaften erst ausmacht. Die Frage endgültig zu klären, liegt natürlich nicht nur im Interesse der theoretischen Denker. Gerade Firmenchefs wüssten gerne, wie sie durch finanzielle Anreize die Arbeitsmoral ihrer Mitarbeitertruppe optimal verbessern könnten.

Die Lösung dieser Streitfrage lag nun in den Händen von Hirnforschern und Ökonomen der Universität Bonn. Der Epileptologe Christian Elger und der Ökonom Armin Falk hatten sich zusammen mit ihren Kollegen daran gemacht herauszufinden, ob es nun der schnöde Mammon oder der Wettbewerb mit anderen ist, der den Menschen zu besseren Leistungen anspornt und motiviert. Mit modernen Verfahren wie der funktionellen Magnetresonanztomografie blickten sie in das Denkorgan von 38 männlichen Freiwilligen. Diese Methode ermöglicht den Wissenschaftlern auf Computerbildschirmen sichtbar zu machen, wo sich im Gehirn etwas regt.

Durch frühere Studien an Tieren und Menschen kennt die Hirnforschung drei wichtige Bereiche, die über den inneren Antrieb entscheiden. Gemeinsam bewerten sie als so genanntes Belohnungssystem, ob es sinnvoll ist, eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen oder nicht. Der orbitofrontale Kortex hilft dem Menschen gewinnoptimiert zu handeln. Die Gefühlszentrale Amygdala dagegen, die normalerweise mit negativen Empfindungen wie Angst in Verbindung gebracht wird, dient vermutlich als eine Art Gradmesser, wie intensiv man auf Belohnung reagiert.

Auf die dritte Region, das ventrale Striatum, fiel das besondere Augenmerk der Wissenschaftler. Es wird vermutet, dass dieses System vor allem abschätzt, wie wahrscheinlich es ist, eine Belohnung für eine gestellte Aufgabe zu bekommen. Auch das Gefühl des "sich etwas verdient haben" scheint in dieser Region zu sitzen.

Die Bonner Forscher legten nun jeweils zwei Probanden in einen Hirnscanner und ließen sie parallel eine Denkaufgabe lösen. Es galt, die Anzahl von Leuchtpunkten auf einem Bildschirm abzuschätzen.
"Zumindest Männer scheinen eine große Motivation aus dem Wettbewerb zu ziehen" (Bernd Weber)
Danach erfuhren die Versuchspersonen, ob sie richtig oder falsch gelegen hatten und wie sich ihr Konkurrent bei der gleichen Herausforderung geschlagen hatte. Als Belohnung lockte bare Münze: Beide Versuchspersonen bekamen angezeigt, mit wie viel Geld sie und auch ihr Gegner für die richtigen Antworten entlohnt wurden.

Erwartungsgemäß rührte sich das ventrale Striatum, sobald der Spieler seine Aufgabe richtig gelöst hatte und entsprechend belohnt wurde. Doch auch das Ergebnis des Mitspielers wirkte sich auf das Glücksgefühl aus: Hatte der Konkurrent verloren, regte sich das Belohnungssystem des Siegers besonders stark.

Erhielten dagegen beide bei einer Pattsituation den gleichen Lohn für ihre Leistung, fiel die Aktivierung des ventralen Striatums verhältnismäßig gering aus.
"Dieses Ergebnis steht im klaren Widerspruch zur traditionellen ökonomischen Theorie" (Armin Falk)
Bekam der Kontrahent aber mehr Euros, dann sank die Aktivierung – trotz erfolgreicher Lösung der Aufgabe und Belohnung – sogar ab. Bei dem Teilnehmer mit dem höheren Gewinn war das Striatum dagegen deutlich aktiver.

"Zumindest Männer scheinen eine große Motivation aus dem Wettbewerb zu ziehen", resümiert Bernd Weber aus der Bonner Arbeitsgruppe. "Dieses Ergebnis steht im klaren Widerspruch zur traditionellen ökonomischen Theorie", ergänzt sein Kollege Falk. "Danach sollte es nur auf die absolute Höhe der Entlohnung ankommen. Der Vergleich mit Anderen sollte dagegen für die Motivation keine Rolle spielen."

Die Bonner Forscher haben damit wissenschaftlich bestätigt, was der Volksmund schon lange weiß: Konkurrenz belebt das Geschäft. Vor allem aber belebt sie unsere Gefühlswelt und entscheidet darüber, ob wir mit unserer Leistung zufrieden sind oder nicht. In weiteren Testreihen wollen die Wissenschaftler nun untersuchen, wie der weibliche "Homo oeconomicus" auf Konkurrenz reagiert.

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