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Psychologie: Kontrollverlust macht abergläubisch

Je stärker wir das Gefühl haben, dass uns die Kontrolle über unsere Umwelt entgleitet, desto intensiver sucht unser Gehirn nach Ordnung schaffenden Strukturen – und erfindet notfalls welche. Das haben Jennifer Whitson und ihre Kollegen von der University of Texas in Austin jetzt anhand einer Untersuchung zeigen können.

In ihren Experimenten entzogen sie einigen ihrer Probanden die Kontrolle, indem sie deren Computertests manipulierten. Der Rechner bewertete die Antworten auf Testfragen per Zufall als richtig oder falsch und verunsicherte so die betroffenen Teilnehmer. Im Anschluss untersuchten die Psychologen, wie ihre Probanden Darstellungen von "Schneegestöber" interpretierten – Bilder, die nur ein zufälliges Gewirr schwarzweißer Flecken enthielten oder in denen ein blasses, unscheinbares Objekt unter starkem Krisseln fast ganz verborgen war. Wie sich zeigte, vermeinten Teilnehmer aus der verunsicherten Gruppe wesentlich öfter Muster im eigentlich bildfreien Chaos zu sehen.

Mussten die Probanden in einem zweiten Versuch nach dem Computertest Situationen bewerten, in denen scheinbar Übersinnliches geschehen war, so antworteten Teilnehmer nach der unmittelbaren Erfahrung eines Kontrollverlusts deutlich abergläubischer als andere: Sie sahen vermehrt Zusammenhänge, die nicht existierten. Eine per Fragebogen initiierte Phase der Rückbesinnung auf persönlich wichtige Werte nach dem Computertest erwies sich jedoch als heilsam: Auch Probanden mit der verunsichernden Erfahrung sahen dann wieder nur noch ähnlich viele Muster wie die Mitglieder der Kontrollgruppe.

Vera Spillner

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